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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1907-01-01 · V. 1907 - 5668 (1907) · page 141

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
V. 1907 - 5668 (1907)
Date
1907-01-01
Page
– (sequence 141)
Language
German
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IRI
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69 die Juden in den anderen Kolonien. So schützte das holländische Bürgerrecht die portugiesischen Juden auch im Auslande. Allein nicht in allen Staaten fanden sie Sicherheit; insbesondere nicht in Spanien und Portugal. Ihr Verhältnis zu diesen Ländern hatte keine Änderung erfahren; die Zustände waren wie zuvor; das Glaubensgericht arbeitete unermüdlich, denn auf Umwegen fand es zahlreiche Beute. Die im Lande verbliebenen Marranen hatten sich zwar der Bevölkerung angepasst und waren durch die langen Verfolgungen vorsichtiger geworden, so dass man ihnen nichts anhaben konnte, aber der Scheiterhaufen wollte seine Opfer haben. Die Glaubensrichter versuchten daher, die Schuldlosen mit Verdächtigen oder erwiesenen Ketzern in Verbindung zu bringen, um sie auf diese Weise in Untersuchung ziehen zu können. Dies war umso leichter, als sie mit ihren Leidensgenossen in Amsterdam rege Handelsbeziehungen unterhielten und der Verkehr mit wirklichen Juden für eine Anklage ausreichte. Die Bemühungen der Inquisitoren blieben infolge der Unterstützung des Königs nicht ohne Erfolg. Philipp IV. beauftragte seinen Gesandten in Holland, Don Esteban de Gamarra, die Beziehungen der Amsterdamer Juden mit den Marranen der pyrenäischen Halbinsel zu ermitteln, sowie eine Liste mit ihren Namen ihm zu überreichen. Der König überwies diese unheilvolle Liste dem Inquisitionsgericht, um ihm auf der Suche nach Opfern behilflich zu sein und sich für die gottgefällige Tat den Eintritt ins Paradies zu erkaufen. Die Glaubensrichter dankten dem König für seinen Eifer in dieser heiligen Sache; zugleich sprachen sie die Erwartung aus, dass er auch fernerhin seinem Gesandten befehlen werde, derartige Listen anzufertigen, die von grösster Wichtigkeit für die Gottessache sein könnten, d. h. von grösstem Nutzen für die Inquisitoren, die mit den konfiszierten Gütern ihre Taschen füllten 1). Zahllose Familien wurden durch diese Ermittelungen des Gesandten ins tiefste Elend gestürzt. Auf viele Jahre versah er das Glaubensgericht mit Arbeit, denn bei der grossen Vorsicht, mit der er zu Werke ging, lenkte er keinen Verdacht auf sich. Als aber auch andere ״verschiedene schlechte x) Hillesum im Central Blad voor Israeliten in Nederland, 1. Sept. 1905, Nr. 23.

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