Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- V. 1907 - 5668 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 139)
- Language
- German
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Geistlichen ihren Anhang aufforderten, nicht mit ihnen zu sprechen, damit eine Heirat zwischen Juden und Christen verhindert werde. Eine solche Ehe besass ohnehin keine Giltigkeit und zog eine strenge Bestrafung nach sich. Ein Jude, der ein christliches Mädchen heiraten wollte, wurde zu 2000 Gulden Busse verurteilt1). Mit derartigen kleinlichen Mitteln konnte man zwar das Judentum nicht zu Grunde richten, aber durch die Aufreizung vermochte man den Wohlhabenden grosse Verluste beizubringen. So veranlassten die Hetzereien der Predicanten den Pöbel zu einer drohenden Haltung gegenüber den Juden. Mit neidischem Blick sah er auf ihre Beiclitümer und wartete nur auf die günstige Gelegenheit, um sich ihrer zu bemächtigen. Das prunkhafte Auftreten der Portugiesen, die in ״schönen Kleidern prächtig sich aufzuführen wissen״, und die Pracht ihrer Häuser unterschieden sich scharf von der einfachen Lebensweise der Niederländer. Ein besonders grosses Vermögen befand sich im Besitze eines David Pinto, der als ״der reiche Jude״ allbekannt war und sich durch seine Wohltätigkeit auszeichnete. Er durfte sein Haus nicht nach seinem Wunsche einrichten, denn die Behörden erteilten ihm den Rat, nicht durch allzu grossen Luxus die Aufmerksamkeit des Pöbels auf sich zu lenken 2). Dieser Rat konnte ihn jedoch nicht vor den Absichten des Volkes schützen, denn es wusste längst, wo etwas zu holen war. Das zeigte sich, als 1696 in Amsterdam ein kleiner Aufruhr ausbrach und das Volk die allgemeine Verwirrung benutzte, um nach Vätersitte einige Plünderungen vor- ף Zurk, Codex Batavus p. 426. 2) Benthem, Holland. Kirch- und Schulstaat, S. 624 spricht von dem ״reichen Juden‘‘: . . . ״und sagt man, dass der nach der Fürtrefflichkeit ״sogenannte reiche Jude in Amsterdam im Hause, welches von Gold, Silber ״und Marmor gläntzet, einen Saal habe, welcher mit Ducatons gepflastert sei.“ Dieselbe Schilderung finden wir auch bei Berkenmeyer, Le curieux antiquaire ou recueil Hist, et Geograph., Leyden 1729, im Navorscher 11. Jahrg. 1861 p. 356: ״Un de cette nation a fait batir une maison oü Tor et l’argenb ״l’azur et le marbre eclatent de tous cotes: il y a meme dans ce palais une ״salle pavee de ducatons d’argent“. Beide scheinen aus einer Quelle geschöpft zu haben und zwar hörte es Benthem in Amsterdam erzählen. Stark übertrieben und zum grössten Teil auf Erfindung beruhend ist das angebliche Testament des D. Pinto bei Schudt, Jüdische Merkwürdigkeiten S. 293 und in Sulamit Jahrg. 11. 1. Band S. 244.