Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- V. 1907 - 5668 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 134)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3486266-3486275--1726-3488089- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Der Zwiespalt zwischen Aboab und Sasportas bestand indessen noch fort, obschon man ernstlich bestrebt war, die beiden Männer miteinander auszusöhnen oder ihre Feindschaft abzuschwächen und unter den Mitgliedern der beiden Parteien ein gutes Einvernehmen herzustellen. Man brauchte alle Kräfte für den Ausbau der Gemeinde. Wohl waren die portugiesischen Juden zu einer Gemeinde vereinigt, aber sie hatten die drei Synagogen beibehalten, wodurch ihnen erhebliche Ausgaben erwuchsen. Aboab gab deshalb die Anregung zum Bau einer Synagoge, welche alle Gemeindemitglieder besuchen sollten. Die Errichtung eines grossen Bethauses war ohnehin notwendig geworden, da seit einigen Jahren zahlreiche Portugiesen aus Belgien in dem blühenden Amsterdam sich niedergelassen hatten, unter ihnen ein Arzt Spinoza und N. Corner, der an der Universität Louvain tätig war 1 2). Die einflussreichsten Persönlichkeiten genehmigten den Plan Aboabs. Nachdem die örtliche Behörde die Erlaubnis erteilt hatte, schritt man zum Bau der grossen Synagoge. Infolge der Kriegsunruhen (1672) erlitt die Arbeit eine kurze Unterbrechung, aber drei Jahre später konnte der schönste Tempel des Westens eingeweiht werden. Die Behörden verhinderen allerdings den Bau nach dem ausgearbeiteten Plane, denn sie waren der Meinung, dass aus dem Gebäude eine Festung werden sollte. So musste das Gebäude abgeschlossen werden, ehe es seine angemessene Höhe erreicht hatte5). Die Einweihung des Tempels wurde von der Gemeinde 1675 mit ausserordentlichem Prunk gefeiert. Was nur dichten konnte, besang den feierlichen Akt. Nunmehr waren die portugiesischen Juden auch im Bethause vereinigt; ihre Einheit war tatsächlich hergestellt, denn sie verpflichteten sich, weder eine besondere Synagoge zu errichten, noch die der Hochdeutschen Juden zu besuchen. Diese Verpflichtung galt nicht nur für die Anwesenden; sie sollte ebenso für die nachziehenden Glaubensgenossen verbindlich sein3). Obwohl die portugiesischen Juden bei der Errichtung der Synagoge sich nochmals geeinigt hatten, war aber der Friede keineswegs zurück- ’) Carmoly, Revue Orientale I, p. 42. 2) Schudt, p. 183. 8) Handvesten v. Amsterdam, 473•