Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1907-01-01 · V. 1907 - 5668 (1907) · page 133

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
V. 1907 - 5668 (1907)
Date
1907-01-01
Page
– (sequence 133)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3486266-3486275--1725-3488088
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

81 gebracht hatten, zudem noch dem Spotte ausgesetzt waren, gaben sie zum Schein ihre Sache nicht verloren. Die Verirrungen waren insofern von nachteiligem Einfluss, als infolge der Errichtung des Gottesreiches die rabbinischen Vorschriften ausser Kraft gesetzt wurden und ein gemeiner Materialismus Platz griff. Allein das Amsterdamer Judentum wurzelte bereits so tief, dass es die Stürme eines Sabbatai Zwi ertragen konnte. Unerfreulich war jedoch die Spaltung, welche wieder eintrat und das Gemeinwesen ernstlich gefährdete. Zu Ehren des Messias hatte man besondere religiöse Einrichtungen getroffen, an denen ein Teil der Mitglieder festhalten wollte, während andere ihre Beseitigung wünschten, um alle Erinnerung an den Schwindel wegzuräumen. An der Spitze der grösseren Partei stand der Chacham Aboab, der keine Änderung des Bestehenden zuliess; die Gegenpartei führte I. Sasportas, der von Hamburg nach Amsterdam übergesiedelt war und den sabbataischen Schwindel von Anfang an bekämpft hatte. Zwischen Sasportas und Aboab bildete sich allmählich ein feindschaftliches Verhältnis heraus, welches beide Parteien immer weiter von einander trennte1). Zur selben Zeit kam der Chacham Aboab auch mit den Parnassim in Konflikt, was umso auffallender ist, als hier wieder einmal der Rabbiner es wagte, gegen die gewaltigen Vorsteher aufzutreten. Die Parnassim hatten es in der Synagoge unterlassen, dem Rabbiner die üblichen Ehrenbezeugungen zu erweisen. Aboab fasste dies als beabsichtigte Beleidigung auf und, da die Genieinde für ihn Partei ergriff, durfte er die Vorsteher zur Rechenschaft ziehen. Bei der drohenden Haltung der Gemeinde gegenüber den Parnassim hielt es der Chacham für zweckmässiger, dem aufregenden Zustande ein schnelles Ende zu bereiten, damit die Autorität der Vorsteher nicht allzu stark gefährdet werde. Um den Frieden wieder herzustellen, hielt ihnen Aboab eine Strafpredigt, die sie mit Stillschweigen anhören mussten2). An Vergeltungsmassregeln konnten sie bei dieser Stimmung der Mitglieder nicht denken, sondern mussten die Zurechtweisung ruhig hinnehmen. Damit war dieser Zwischenfall erledigt. *) Brief des J. Saruk an J. Pardo in der Bibliothek Montezinos. 2) Ibid.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.