Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- V. 1907 - 5668 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 131)
- Language
- German
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59 Rückreise von Aegypten schloss sich ihm in Gaza der ״Prophet“ Nathan (Gazati) an sowie eine grosse Zahl von Anhängern. Allmählich vergrösserte sich die Zahl der Propheten, die aller Welt die angeblichen Wunder des Messias verkündeten. Jetzt durfte Sabbatai Zwi auch nach seiner Vaterstadt Smyrna zurückkehren, wo man ihm einen feierlichen Empfang bereitete1). Das tolle Treiben in dieser Handelsstadt steigerte sich zur Käserei. Durch Vernachlässigung der Geschäfte geriet die einst wohlhabende jüdische Bürgerschaft in grösste Armut. Selbst die rabbinischen Autoritäten in Smyrna huldigten dem ״Erlöser“, obwohl sie den Bann über ihn verhängt hatten. Nicht weniger Aufsehen als bei den Juden machte das Erscheinen Sabbatai Zwis in der christlichen Welt. Christliche Schwärmer, wie der Mystiker und Alchimist Felgenhauer, waren zu der Ueberzeuguug gelangt, dass die Kückkehr der Juden nach Palästina in naher Zukunft bevorstehe. Diese Anschauungen erregten die Gemüter vieler Gleichgesinnten, so dass selbst Christen den Nachrichten aus Smyrna mit Spannung entgegensahen. Die Juden des Ostens unterwarfen sich ohne Bedenken dem gesalbten König, aber die des Westens warteten auf eine Entscheidung in Amsterdam, denn hier wohnten die talmudischen und kabbalistischen Autoritäten; die Amsterdamer Gemeinde sollte als Richtschnur dienen. Bei der ersten zuverlässigen Nachricht, die in Holland eintraf, wurde die ganze Gemeinde und ihr folgend die Judenschaft des Westens von einem Taumel ergriffen. Im neuen Jerusalem wusste man vor Freude nicht, was man anfangen sollte, um dem Messias die schuldige Ehrerbietung zu erweisen. Noch im Jahre 1666 richteten die Rabbiner und Vor- Steher ein Schreiben an Sabbatai Zwi, worin sie ihre Huldigung und Unterwerfung anzeigten2). Allein mit diesem Schreiben glaubten sie ihre Pflicht noch nicht erfüllt zu haben. Ein weiterer Schritt zu Ehren des Messias wurde getan, indem man beim Gottesdienst ein besonderes Gebet für sein Wohlgergehen b Ueber das Treiben des Messias und seiner Anhänger in Smyrna, siehe: Thomas Koenen, Ydele Verwachtinge der Joden getoont in de Persoon van Sabbatai Zwi, Amsterdam 1669, Hollandse Mercurius, 1666, pag. 3, 72, 134 fg., Tobia Rofe, Venedig 1707, 1. 26. 2) Frankels Monatsschrift XXV., 139.