Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1907-01-01 · V. 1907 - 5668 (1907) · page 122

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
V. 1907 - 5668 (1907)
Date
1907-01-01
Page
– (sequence 122)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3486266-3486275--1714-3488077
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

5Ö Busse den härtesten Strafen entgehen könne, und da er sich nicht einer solchen Handlung unterziehen wollte, erfolgte abermals sein Ausschluss aus der Gemeinschaft. Aufs neue war er der Verachtung ausgesetzt; die Kinder begannen wieder ihr altes Spiel mit ihm. Allein stand er nun in einer fremden Stadt; sieben Jahre verharrte er in dieser verzweifelten Lage, bis er, durch die aufreibenden Kämpfe völlig erschöpft, das Bedürfnis nach Ruhe verspürte. Um mit der Gemeinde Frieden zu schliessen, unterwarf er sich dem Beschlüsse des Rabbinatscollegiums und erklärte sich zu jeder Demütigung bereit. So musste er 1640 vor der weitesten Oeffentlichkeit Busse tun1). Kaum war dieser Akt vorüber, so bereute der haltlose Mann, dass er sich dazu hergegeben, die Schmach erschien ihm unauslöschlich. In seinem ohnmächtigen Grimm beschloss er, aus dem Leben zu scheiden. Nach der Heimkehr aus der Synagoge schrieb er in dieser Todes- Stimmung ein Testament, das von Gehässigkeit und Verachtung des Judentums überschäumt. Nachdem er auf diese Weise seine erhitzte Phantasie gekühlt hatte, machte er durch Selbstmord seinem Leben ein Ende2). Uriel Acosta war keine Kampfesnatur; seine Charakterschwäche ist die Ursache seines traurigen Schicksals. Dem ein* mutigen Vorgehen aller portugiesischen Juden ist es zu verdanken, dass dieser Streit mit Acosta keine nachteiligen Wirkungen verursacht hat. Mit seinem Tode war der unliebsame Zwischenfall erledigt. Dass die Würdigung der Amsterdamer Gemeinde durch Acostas schroffes Auftreten keine Beeinträchtigung erlitt, dafür sorgte das Ansehen vieler bedeutender Persönlichkeiten, unter denen namentlich der Arzt Abraham Zacuto Lusitano eine bevorzugte Stelle einnahm. Seine Vorfahren waren während der Vertreibung aus Spanien (1492) nach Portugal gewandert, wo Zacuto geboren wurde. Er besuchte die Academien zu Salamanca und Coimbra; wie die Mehrzahl seiner Glaubensgenossen widmete auch er sich dem Studium der Medizin und liess sich dann in Lissabon als Arzt nieder. Beunruhigt durch die Tätigkeit des J) E. Humanae vitae gegen Ende ist der Akt ausführlich dargestellt. 2) lieber den Tod Uriel Acosta’s siehe Grätz, X Note 1, Da Costa, Israel en de Volken p. 174.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.