Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- V. 1907 - 5668 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 121)
- Language
- German
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49 der Unsterblichkeit der Seele auch die christliche Religion an• gegriffen habe. Die Behörden kamen dem Gesuche der Parnassim nach, sie verurteilten Acosta zu einer Geldstrafe sowie zur Vernichtung seines Werkes. Weit peinlicher als diese Strafen ver״ letzte ihn das Verhalten der Kinder seiner Glaubensgenossen, die ihn mit Geschrei auf der Strasse begriissten, mit Spott überhäuften und selbst in seiner Wohnung ihm keine Ruhe gönnten1). In seiner erhitzten Phantasie betrachtete er die Hetzereien der Kinder als das Werk der Rabbiner, von denen er sich stets verfolgt glaubte. Tiefer als diese angebliche Verfolgung schmerzte es ihn, dass seine Verwandten jeglichen Verkehr mit ihm abgebrochen hatten und selbst seine Brüder ihm aus dem Wege gingen2). Seine Verwandten hatten auf seine Schwäche gebaut; sie hofften durch dieses Verhalten ihn wieder zum Judentume zurückzuführen. Ihre Erwartungen erfüllten sich. Da Acosta wegen der Unkenntnis der holländischen Sprache mit der einheimischen Bevölkerung nicht verkehren konnte, in Amsterdam keine Freunde besass und eine Rückkehr nach seinem ehemaligen Vaterlande ausgeschlossen war, fasste er auf Zureden seiner Verwandten den Entschluss, seine Ansichten zu widerrufen. Nachdem er 15 Jahre von der Gemeinde ausgeschlossen war, wurde er 16BB wieder in die Glaubensgenossenschaft aufgenommen. Mit der erheuchelten Reue schüttelte er den Bann von sich. Dass er nicht aus Ueberzeagung der Gemeinde beigetreten war, gab zu weiteren Konflikten Anlass. Ueber die Religionsgebräuche setzte er sich heimlich hinweg, so dass seine Verwandten, die ihn bessern wollten, ihn noch heftiger als zuvor verfolgten. Seine Lage spitzte sich immer mehr zu. Die Auseinandersetzung mit der Gemeinde wurde unvermeidlich, als zwei Christen, die zum Judentume übertreten wollten, ihn um Rat fragten und er sich über das Judentum in abfälliger und verächtlicher Weise äusserte. Sobald diese Angelegenheit zur Kenntnis der Gemeinde gekommen war, musste Uriel Acosta vor dem Rabbinatscollegium erscheinen, wo man ihm sein Sündenregister vorlas. Man eröffnete ihm, dass er durch öffentliche 4) Exempl. Hum. vitae p. 11. ״Nihil intentatum relinquebant, ut me ״turbarent, ne tranquillus etiam in domo propria agere possem“. 2) Das. 10.״et ipsi fratres mei, quibus ego antea praeceptor ״fueram, me transibant, nec in platea“• Jahrbuch J. L. G. V. 4