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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1907-01-01 · V. 1907 - 5668 (1907) · page 120

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
V. 1907 - 5668 (1907)
Date
1907-01-01
Page
– (sequence 120)
Language
German
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48 bestehenden Verhältnissen nicht anpasste, wurde er 1618 excommunicicrt1). Die Rabbiner waren zu diesem energischen Einschreiten gezwungen; sie durften ihre Gemeinde nicht der Gefahr von Spaltungen aussetzen, die notwendig hätten kommen müssen, wenn man die Auflehnung Aeostas unbestraft gelassen hätte. Man darf auch nicht ausser acht lassen, dass die ehemaligen Marranen noch vielfach die Anschaumuren des Katholizismus nicht völlig abgelegt hatten und dass der Chacham trotz jahrelanger angestrengter Tätigkeit ihnen erst kaum einen Teil der Lehren des Judentums beigebracht hatte. Das schroffe Auftreten Aeostas gefährdete ihr Werk. Um den Zweifler unschädlich zu machen und um etwaigen Gesinnungsgenossen ein abschreckendes Beispiel zu geben, mussten sie zum Bann greifen. Mit der Be- Sträfling Aeostas beschwichtigten die Rabbiner zugleich die Erregung derjenigen Juden, die sich durch die Bemerkungen Aeostas verletzt fühlten; warf er ihnen doch vor, sie hätten einem Phantom nachgejagt und um eines falschen Glaubens willen die Qualen der Inquisition ertragen. Acosta wollte die ihm zugefügte Kränkung nicht ruhig hinnehmen; zu seiner Genugtuung beabsichtigte er ein Werk zu veröffentlichen, in welchem er die Unsterblichkeit der Seele leugnete. Zugleich sollte darin der Nachweis erbracht werden, dass die bestehenden Religionsbräuche mit den Vorschriften der Bibel in Widerspruch ständen. Der Arzt Samuel da Silva erfuhr jedoch das Vorhaben Aeostas und kam ihm mit seiner Schrift ״Ueber die Unsterblichkeit der Seele“ (1623) zuvor2). Gegen diese Schrift wandte sich nun Acosta in seinem Werke: ״Prüfung der pharisäischen Traditionen verglichen mit den geschriebenen Gesetzen und Entgegnung wider den falschen Verleumder Samuel da Silva“ (1624/25). Mit Hartnäckigkeit verteidigte er in dieser Schrift seinen Standpunkt, in glühendem Hass zog er gegen das Judentum zu Felde. Die Vorsteher vermochten nichts mehr auszurichten, da sie mit dem Banne an der äussersten Grenze ihrer Machtmittel angelangt waren. In ihrer verzweifelten Lage riefen sie die Staatsgewalt zu Hilfe, indem sie darauf hinwiesen, dass Uriel Acosta durch das Leugnen 1) Das. S. 11. 2) De Ross!', Hist. Wörterbuch der jüdischen Schriftsteller, S. 296, Kayserling, Biblioteca esp-portu judaica p. 102.

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