Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- V. 1907 - 5668 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 119)
- Language
- German
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47 Acosta widmete sich frühzeitig dem Rechtsstudium; in seinem 25. Lebensjahre erhielt er die Stelle eines Schatzmeisters an einem kirchlichen Collegium1). Einige Jahre ehe er zu diesem Amte gelangt war, batte er an der Wahrheit des Christentums zu zweifeln angefangen. Das Treiben der Jesuiten hatte seinen Widerwillen erregt, die tägliche Uebung, das beständige Beichten und die Absolution befriedigten sein Gemüt nicht mehr. Durch das eifrige Studium des sogenannten alten Testaments kam er zur Ueberzeugung, dass nur dieses Wahrheit sei, da es von Juden und Christen anerkannt werde, während das neue Testament nur bei Christen Anerkennung finde. Um eine grössere Seelenruhe zu finden, suchte er ein Volk, das nach den Grundsätzen der Bibel lebte, in seiner Mitte wollte er sich niederlassen. In Holland glaubte er dieses Volk anzutreffen. Seiner Mutter entdeckte er heimlich seine Absichten und unter Preisgabe seiner angesehenen Stellung unternahm er die gefahrvolle Reise nach Amsterdam. Hier nahm man ihn mit seinen Brüdern ins Judentum auf; er erhielt den Namen Uriel. Allein in Amsterdam fand er die idealen Zustände, wie sie sich in seiner Phantasie gebildet hatten, nicht vor; statt mit der Bibel beschäftigte man sich mit der Kabbala, von der er nichts wissen wollte. Das Leben seiner Glaubensgenossen machte auf ihn keinen günstigen Eindruck, mit leuchtendem Beispiel wollte er ihnen vorangehen. Zunächst setzte er sich über Vorschriften des Religionsgesetzes hinweg und erregte damit unangenehmes Aufsehen. Durch diese Neuerung zog er sich eine Ermahnung der Rabbiner zu, die ihm zugleich für den Fall der weiteren Nichtbeachtung religiöser Vorschriften mit der Ausschliessung aus der Gemeinde drohten. Den Drohungen schenkte er indessen keine Beachtung, denn er glaubte, dass er für die grossen Opfer, die er gebracht, nach seiner Ueberzeugung handeln dürfe und das Recht habe, seine Meinung frei zu äussern. Uriel Acosta schritt deshalb auf dem eingeschlagenen Wege weiter. Er dachte nicht an die Schäden, welche der Gemeinde durch sein böses Beispiel erwachsen mussten. Da er sich den ג) Exemplar humanae vitae p. 8. ״Cum annum agerem vigesimum ״quintum ..impetravi beneficium Ecclesiasticum, nempe dignitatem ״thesaurarii in collegiata Ecclesia“.