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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1907-01-01 · V. 1907 - 5668 (1907) · page 118

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
V. 1907 - 5668 (1907)
Date
1907-01-01
Page
– (sequence 118)
Language
German
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46 Da Brasilien wieder unter die Herrschaft Portugals kam und die Marranen wegen ihres Uebertritts zum Judentume empftndliche Strafen zu erwarten batten, so wanderten viele nach Amsterdam, wo Isaac Aboab abermals die Stelle eines Rabbiners erhielt1). Dieser Rabbiner beschäftigte sich auch mit den Natur- Wissenschaften und spielte als hebräischer Dichter in seiner Gemeinde eine bedeutende Rolle; ebenso galt er als guter Sänger und Harfenspieler2). Seine Hauptbeschäftigung blieb indessen die Kabbala; in ihrem Geiste wollte er seine Glaubensgenossen erziehen. Bei diesen Bestrebungen unterstützten ihn viele Privatleute, die ebenfalls für die neue Lehre begeistert waren. Die Lehrer der Kabbala fanden stets zahlreiche Jünger, denn jeder wollte zu den ״Gebildeten“ gerechnet werden und, um nicht als Unwissender zu gelten, musste man sich mit dieser Wissenschaft beschäftigt haben. Die lurjanische Lehre war ihnen freilich unzugänglich, da sie noch nicht das Hebräische verstanden; sie lernten vielmehr die Kabbala in der philosophischen Hülle kennen, mit welche Herrera sie umgeben hatte. Die Anklänge an die Philosophie verschaffte ihr unzählige Bewunderer. Diejenigen, die sich ganz dem Judentume widmen wollten, glaubten nichts besseres tun zu können, als sich in diese Wissenschaft zu vertiefen. Allmählich bildete sich aber eine Partei von Zweiflern und entschiedenen Gegnern dieser ״Philosophie“, welche in ihrem Kampfe gegen die neue Lehre auch die Bibel und den Talmud angriffen. Zunächst verhielten sich diese Elemente ruhig; sie wagten es nicht, mit ihren Ansichten hervorzutreten und den Kampf gegen die Geheimlehre aufzunehmen. Zu dieser Partei der Zweifler gehörte Uriel Acosta. Gabriel da Costa wurde 1590 in Oporto geboren. Von einem adeligen Geschlechte abstammend, erhielt er eine streng christliche Erziehung. Seine Eitern gehörten den höheren Ständen an; sie waren rechtgläubige Katholiken und hatten ihre jüdische Abstammung gänzlich vergessen, sodass ihr Sohn infolge seiner Begabung zu den höheren Aemtcrn zugelassen wurde. Gabriel ’) Aboab hat die fürchterlichen Kriegsleiden und Gräuelszenen, deren Augenzeuge er war, in einem Gedichte wiedergegeben. Das Manuscript be׳ findet sich in der Bibliothek Montezinos. 2) Franco Mendes, Handschrift.

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