Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1907-01-01 · V. 1907 - 5668 (1907) · page 115

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
V. 1907 - 5668 (1907)
Date
1907-01-01
Page
– (sequence 115)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3486266-3486275--1707-3488070
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

43 sie beseitigen half. Cromwell bereitete ihm einen ehrenvollen Empfang. Die Bittschrift, die Menasse ihm überreichte, machte einen überaus günstigen Eindruck1). Allein die Commission, in der die ״Judenfrage“ behandelt wurde, war anderer Meinung als der Protector. ln ihrer Mitte herrschte ein anderer Geist; dort gaben die Geistlichen den Ausschlag, und so kam denn an dem Fanatismus der Geistlichkeit die ganze Vorlage zum Scheitern. Da der Protector so auf unüberwindliche Schwierigkeiten stiess, die Juden aber ihrer Capitalien wegen im Lande haben wollte, fand er einen Ausweg, indem er einzelnen Personen das Aufenthaltsrecht erteilte. Viele solcher einzelnen Personen liessen sich in London während der Verhandlungen nieder, errichteten daselbst eine Synagoge und ernannten J. Sasportas, den Begleiter Menasse Ben Israels, zu ihrem Chacham2 3). Damit war der Grund für die Amsterdamer Tochtergemeinde gelegt. Menasse Ben Israel sah sich jedoch in seinen Erwartungen getäuscht; er sollte die Früchte seiner Bemühungen nicht reifen sehen. Nach Holland zurückgekehrt, ereilte ihn in Middelburg (März 1657) der Tod. Noch im selben Jahre wurde seine Leiche nach Amsterdam überführtB). Nicht im entferntesten so bedeutend wie Menasse Ben Israel war sein College Saul Levi Morteira. Er erblickte um 1596 in Venedig das Licht der Welt, und begleitete in seinem 20. Lebensjahre die Leiche des Elia Montalto nach Amsterdam, wo er als Chacham Stellung fand. Seine Absicht, nach Venedig zurückzu־ kehren, gab er auf4). In seiner Gemeinde erwarb er sich wohl wiele Anhänger, aber im Auslande blieb er völlig unbekannt. Er lebte ausschliesslich dem Talmudstudium und wurde auf diesem Gebiete von keinem seiner Nachfolger erreicht; mit der Kabbala befreundete er sich nicht. Während seine Collegen für die Verbreitung der lurjanischen Lehre sorgten, bemühte er sich um die Förderung des Talmudstudiums. Nach der Vereinigung der drei Gemeinden 1) Revue des Etudes Juives, Jahrg. 6, p. 96. 2) Grätz X, 112, 3) Nieuw Israel. Weekblad 1867 Nr. 44. 4) Ueber Morteira vgl. Morteira גבעת שאיל, Amst. 1629, Vorrede, Azulai, Schem׳ha'Gedolim, Warschau 1876, p. 17, Grätz X, 11, Freudenthal, Spinoza S. 19.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.