Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- V. 1907 - 5668 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 114)
- Language
- German
- Belongs to
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42 sabbatianischen Umtrieben zum Vorschein kamen 1). Indessen wollte er seinen Einfluss keineswegs für seinen eigenen Vorteil verwenden, sondern sein Streben ging dahin, vermittelst der erlangten Macht, die Lage seiner Glaubensgenossen zu verbessern und ihnen neue Heimstätten zu schaffen. Um diese Pläne zu verwirklichen, setzte er sich mit der Königin Christine von Schweden in Verbindung, mit der er durch Vermittlung seines Freundes Isaac Vossius bekannt geworden war. Gustav Adolphs Tochter schätzte diesen Mann; bei ihrem Aufenthalt in Antwerpen machte ihr der Amsterdamer Rabbiner seine persönliche Aufwartung2). Hei diesem ersten Versuche blieb aber Menasse Ben Israel nicht stehen; seine Blicke richteten sich nach England, wohin sein Name ihm vorausgeeilt war, und er konnte jetzt um so leichter seine Kräfte in den Dienst seines Volkes stellen, da er sein Amt niederlegen wollte. Das kärgliche Einkommen eines damaligen Chacham reichte kaum zur Ernährung seiner Familie aus, sodass oft der Gedanke in ihm aufgetaucht war, seinen Beruf mit dem kaufmännischen zu vertauschen. Zu diesen materiellen Sorgen geseilte sich ein Missverhältnis zu seinen Amtsgenossen, die das steigende Ansehen ihres Collegen mit Neid erfüllte und die ihm deswegen mit Abneigung begegneten3). Als 1652 zwischen Menasse Ben Israel und S. L. Morteira heftige Zwistigkeiten entstanden, reifte in ihm der Entschluss, Amsterdam endgültig zu verlassen. Den Bemühungen der Parnassim gelang es zwar, den Frieden wieder herzustellen, aber sie vermochten nicht, den berühmten Mann in ihrer Mitte zu halten4). Eine Zeitlang musste allerdings Menasse Ben Israel noch in Amsterdam verbleiben, da in diesem Augenblicke zwischen Holland und England infolge der ״Navigationsacte“ der Krieg ausbrach. Nach Beendigung der Feindseligkeiten aber zog der Chacham in Begleitung seines Freundes J. Sasportas nach London, nachdem er den Vorstehern das Versprechen gegeben hatte, noch ein Mal wieder zu kommen. In England entfaltete er eine segensreiche Tätigkeit, indem er die Vorurteile der Bevölkerung den Juden gegenüber bekämpfte und *) Freudenthal, Spinoza I, Stuttgart 1904, S. 24. 2) Steinschneider, Hamaskir II, 112. 3) Hamelsveld p. 361. 4) Der Sammler, 1788 p. 167.