Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1907-01-01 · V. 1907 - 5668 (1907) · page 113

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
V. 1907 - 5668 (1907)
Date
1907-01-01
Page
– (sequence 113)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3486266-3486275--1705-3488068
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

41 wo der Knabe unter der Leitung־ des strengen Isaac Uziel seine Ausbildung genoss. Schon in seiner Jugend eignete er sich mehrere Sprachen an. Neben der Bibel und dem Talmud beschäftigte er sich vorzugsweise mit Predigten, wie er denn auch ein ausgezeichneter Redner war und bereits in seinem 15. Lebensjahr wagen konnte, die Kanzel zu betreten. Nach dem Tode seines Lehrers ward er an dessen Stelle Chacham der Gemeinde Newe Schalom 1). Beim Zusammenschluss der Gemeinden erfolgte abermals seine Ernennung zum Rabbiner. Durch seine grosse Gelehrsamkeit konnte er an allen wissenschaftlichen Zeitfragen sich beteiligen, und durch sein Wissen zog er die Aufmerksamkeit der Gelehrtenwelt auf sich. Selbst Staatsmänner traten mit ihm in Verbindung; Gelehrte und Künstler zählte er zu seinen Freunden, so Rembrandt, der den ״Rabbi“ malte2). Die freundschaftlichen Beziehungen mit der Gelehrtenfamilie Vossius brachten ihn in Berührung mit einflussreichen Persönlichkeiten, die ihm bei der Herausgabe seiner zahlreichen Werke behilflich waren. Der Sozianer Barläus schloss sich ebenfalls dem Chacham an, dessen Werke er in seinen Gedichten verherrlichte und den er einigen Staatsmännern empfahl3). Aber nicht nur die einheimischen Gelehrten, sondern auch die des Auslandes zollten ihm wegen seiner Gelehrsamkeit die gebührende Anerkennung, denn selten kamen bedeutende Männer nach Holland, ohne dass sie die Bekanntschaft ״des Amsterdamer Rabbiners“ gemacht hätten. Obgleich er durch seine Liebenswürdigkeit und Toleranz die Bewunderung der Andersgläubigen hervorrief, war er weit davon entfernt, in seiner Gemeinde ein Abweichen von dem religiösen Gesetz zu dulden. Er führte vielmehr seine Glaubensgenossen, um ihr religiöses Pflichtleben zu stärken und zu vervollkommnen, auch in die kabbalistische Lehre seiner Zeit ein, trug aber dadurch auch ungewollt zu den verhängnisvollen Verirrungen bei, die in den 1j Basnage p. 297: ״Menasse etoit un des Theologiens les plus ״savans et les plus exactes qui ait paru chez!es juifs depuis un grand ״nombre de siecles. Des Tage de 18 ans on le choisit ä Amsterdam pour ״expliquer le Talmud“. 2) Rembrandts Gemälde ״Der Rabbi“ (Menasse ben Israel) befindet sich im Archiv der portugiesischen Gemeinde zu Amsterdam. Huet, Het Land v. Rembrandt, p. 405. *) Qud-Holland 6. Jahrg. 1888 p. 91.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.