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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1907-01-01 · V. 1907 - 5668 (1907) · page 112

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
V. 1907 - 5668 (1907)
Date
1907-01-01
Page
– (sequence 112)
Language
German
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IRI
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40 Act war aber immerliin ein grosser Fortschritt. Die Parnassim durften mit einer gewissen Befriedigung auf ihre Arbeit blicken, unerschütterlich stand ihre Macht nach den grossartigen Erfolgen aufrecht. Dass sie allein das Ruder führten, der Chacham aber keinen Einfluss ausübte, den Parnassim sogar in gewissem Sinne untergeordnet war, war teils Schuld des Rabbiners selbst* zum grossen Teil lag dieser unheilvolle Zustand an der eigenartigen Entwickelung der Gemeinde auf geistigem Gebiete. Die portugiesischen Juden, die eifrig das Studium der Philosophie betrieben, begnügten sich nicht mit dem Studium des lalmudischen Schrifttums, um ihren Wissensdurst zu befriedigen, sie wandten sich de(1 Lehren der Kabbala zu, die zu Anfang des 17. Jahrhunderts in Amsterdam Boden gefasst hatte. Nach dem Tode des Kabbalisten Lurja (1572) gingen dessen Schüler auf Reisen, um für die Lehre ihres Meisters Anhänger zu werben. Einer dieser Jünger, Israel Saruk, gelangte nach Amsterdam, wo er für die lurjanische Kabbala fruchtbaren Boden fand. Sein besonders eifriger Schüler wurde Abraham de Ilerrera, der sich in die neue Lehre einführen liess, diese dann mit dem Mantel der neuplatonischen Philosophie umgab und für die Verbreitung dieser Mischung von Kabbala und. Philosophie Sorge trug1). Die neue Lehre begeisterte ihn so sehr, dass er selbst zwei kabbalistische Werke verfasste. Sein Beispiel fand Nachahmung. Nach kurzer Zeit gab es in Amsterdam unter den gelehrten Juden nur wenige, die sich nicht mit der Kabbala beschäftigt hätten, die wegen ihrer Rätselhaftigkeit und Geheimnisse einen gewaltigen Zauber ausübte. Obwohl die neue Lehre vielen unverständlich blieb, wurde sie mit Begierde verschlungen, verriet sie doch Anklänge an die Philosophie, Insbesondere suchten die Rabbiner der neuen Lehre näher zu kommen, namentlieh Menasse Ben Israel, der unter seinen Collegen den hervorragendsten Platz einnahm und durch seine Kenntnisse sie weit übertraf. Menasse Ben Israel wurde 1604 in Lissabon geboren2). Vor den Gefahren der Inquisition entflohen seine Eltern nach Amsterdam, 0 Peter Beer, Geschichte der religiösen Secten, Brünn 1822, II. S. 35, Gratz, IX, 494. 2) Kayserling, Menasse Ben Israel, Central Blad voor Israeliten in Nederland 1905 Nr, 23.

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