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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1907-01-01 · V. 1907 - 5668 (1907) · page 108

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
V. 1907 - 5668 (1907)
Date
1907-01-01
Page
– (sequence 108)
Language
German
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IRI
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86 die gewöhnlich den vornehmsten Geschlechtern angehörten, in hohem Ansehen standen und lange Zeit hindurch eine führende Rolle inne hatten. Ihre Amtstätigkeit erstreckte sich auf ein Jahr, so dass zu Ostern und Neujahr drei Parnassim aus dem Amte schieden, nachdem die Ernennung ihrer Nachfolger erfolgt war. Der Eintritt und Abschied der Vorsteher vollzog sich mit feierlichen Ceremonien in der Synagoge, wo sie einen Eid ablegten1) Da die Ernennung der Nachfolger von ihnen abhing, so fanden sie in den Reihen der ordentlichen Mitglieder, die allein zu diesem höchsten Amte berechtigt waren, hingebungsvolle Anhänger. Auch die zweite Gruppe hatte ein Interesse daran, mit den Vorstehern nicht in Konflikt zu kommen, denn ihre Beförderung und Aufnahme in die höhere Classe hing von deren Wohlwollen ab, und selbst die Fremden, die in der Regel nicht als Mitglieder aufgenommen wurden, wollten es mit den gefürchteten Parnassim nicht verderben, da sie von ihnen reichliche Unterstützung erhielten. Unter diesen Verhältnissen konnte sich ungehindert ein despotisches Regiment ausbilden, das die verblendeten Mitglieder anfangs guthiessen, trotzdem es grosses Unheil stiftete. Seitdem die Parnassim zur Herrschaft gelangt waren, hörte die Macht der Rabbiner vollständig auf. Die Vorsteher wählten den Chacham und brachten dadurch auch diesen in ihre Abhängigkeit2). Um ein Aufkommen von Opposition zu verhindern, erstickten sie im ersten Augenblick jeglichen Widerstand, und, um die Widerspenstigen von derartigen Gedanken abzubringen, regierten sie mit dem Banne. So konnte es geschehen, dass einige der hervorragendsten Persönlichkeiten, Moses Belmonte und Jona Brabanel, 1640 mit dem Banne bestraft wurden. Als der Chacham Menasse Ben Israel sich der Angelegenheit seines beleidigten Schwagers Jona Brabanel annahm und mit den Parnassim einen erregten Wortwechsel führte, schreckten sie nicht zurück, auch den Chacham mit voller Strenge zu strafen und ihn in den Bann zu tun. Dieser Vorfall rief jedoch eine grosse Missstimmung hervor, die der Parnassim-Herrschaft ein Ende zu bereiten drohte. In diesem Augenblicke lenkten sie ein, milderten die Strafe und verurteilten Menasse Ben Israel, der wegen seines Widerspruchs nicht gänzlich נ) Wagenaar, Beschryving v. Amsterdam, Amsterdam, 1760, Hl. p. 223/24. 2) Koenen p. 172.

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