Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- V. 1907 - 5668 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 106)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3486266-3486275--1698-3488061- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
34 Das Recht, jemanden mit dem Banne zu strafen, wurde den Parnassim unter dem Vorbehalt zuerkannt, dass sie nicht mit aussergewöhnlicher Strenge von ihm Gebrauch machten 1). Allein sie kümmerten sich um diesen Vorbehalt nicht; jedes Mitglied, das ihren Bestrebungen im Wege stand oder ihnen Widerstand leistete, wurde mit dem Banne bedroht. Die unbeschränkte Gewalt der Parnassim war einerseits von schädlicher Wirkung, denn sie musste jeden Fortschritt in der Gemeinde hemmen, der ihren Despotismus zu erschüttern drohte2). Andererseits hatte diese Einrichtung auch ihr Gutes; sie machte auf kurze Zeit der Zersplitterung ein Ende und suchte durch Gründung von Wohltätigkeitsanstalten die Macht der Gemeinschaft zu behaupten. Wenn der Sturm gegen die Parnassim zu heftig wurde, gaben sie im richtigen Augenblick nach. So waren die portugiesischen Juden durch ihre Vereinigung zu einer Gemeinde mit ihren Vereinen und Lehrhäusern zu einer Blüte gelangt wie die, deren sich einst ihre Vorfahren in Spanien hatten erfreuen dürfen. Drittes Kapitel. Die Blütezeit der portugiesischen Gemeinde. 1639—1666. Die Achtung vor der portugiesischen Gemeinde stieg im Auslande bis gegen Ende des Jahrhunderts in übertriebener Weise, denn sie verbreitete einen Glanz nach aussen wie keine andere jüdische Gemeinde des Continents. Bei jeder wichtigen Angelegenheit richtete man die Blicke nach Amsterdam; dort M Wagenaar, Amsterdam p. 234. *) Gregoire, Histoire des sectes religieuses, Paris 1814, III p. 391 : ״Pour comble de malheur, les bourgumestres d’Amsterdam leur imposerent un regiement qui devait eloigner leur civilisation, etauffer l’emulation et les lumieres en les asservissant aux Parnassim ou syndics.“ Depping, Die luden im Mittelalter, S. 409•