Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- V. 1907 - 5668 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 105)
- Language
- German
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83 sie diese auch als Märtyrer bewunderten, Halbkatholiken, die sie nur ungern als vollgültige Juden anerkannten1). U111 ihre Stellung zu befestigen und jeder weiteren Zersplitterung in der Gemeinde vorzubeugen, strebten nun die Portugiesen die Vereinigung aller ihrer Glaubensgenossen an. Am 8. September 1688 wurden die Verhandlungen wieder aufgenommen und am 3. April 1639 abgeschlossen. Das Ergebnis der Beratungen war, dass der Beschluss gefasst wurde, die Synagoge Beth Israel zu vergrössern und sie unter dem Namen ״Talmud Thora“ für alle Mitglieder der drei Gemeinden in Gebrauch zu nehmen. Kurz vor dem entscheidenden Abschluss schien es, als sollten die Verhandlungen abermals an dem kleinlichen Benehmen einzelner Ehrgeizigen scheitern. Jeder der ״vornehmen“ Männer wollte das Protokoll als erster mit seinem Namen unterzeichnen; da dies aber unmöglich war, wurden die Beratungen so lange hingeschleppt, bis der Chacham David Pardo einen glücklichen Ausweg fand, der auch dieses Hindernis beseitigte. Er kam nämlich auf den Gedanken, mehrere Abschriften des Protokolls anfertigen zu lassen, so dass jeder ״zuerst“ unterschreiben konnte2). Die Vornehmen sahen ihren Ehrgeiz befriedigt und Hessen das bedeutsame Werk zu stände kommen. Das Resultat der Verhandlungen ist von grosser Wichtigkeit, da schon jetzt Vorkehrungcn getroffen wurden, um eine nochmalige Spaltung der Gemeinde zu verhindern. So beschloss man, nur die Einrichtung einer Synagoge zuzulassen und diejenigen Mitglieder, die sich von der Gemeinschaft lossagten, um eine selbständige Gemeinde zu gründen oder in der Synagoge der deutschen Juden ihren Gottesdienst abzuhalten, mit allen verfügbaren Mitteln zu strafen. Für die strenge Befolgung dieser Bestimmungen sorgte die Wachsamkeit der Parnassim, indem sie das Abkommen der Mitglieder durch die Behörde bestätigen Hessen3). Es gab aber noch ein wirksameres Mittel, die Einheit der Gemeinde aufrecht zu erhalten; das war der Bann oder die Ausschliessung aus der Gemeinschaft. ') Lettres de quelques Juifs Portugals et Allemands ä M. Voltaire par Guenee, Paris 1759, p. 15. 2) Franco Mendes, Handschrift und Gedicht, Nieuw Israel. Weekblad 1871 No. 33. 3) Handvesten v. Amsterdam p, 474. Jahrbuch J. L. G. V.