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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1907-01-01 · V. 1907 - 5668 (1907) · page 104

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
V. 1907 - 5668 (1907)
Date
1907-01-01
Page
– (sequence 104)
Language
German
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IRI
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82 bei ihrem Unternehmen leichte Arbeit, da die nichts ahnenden Marranen wahrheitsgetreu ihren früheren Aufenthaltsort angaben. Sobald jedoch dies schändliche Treiben ans Licht kam, trafen die Juden, um ihre Angehörigen vor der unheimlichen Gefahr in Schutz zu nehmen, geeignete Gegenanstalten, indem sie bei der Anmeldung ihren Geburtsort unrichtig bezeichneten und dadurch die Aufmerksamkeit der Spione auf falsche Wege lenkten, So finden wir, dass Menasse Ben Israel als seinen Heimatsort la Roelielle in Frankreich bozeiehnete 1). Die erneute Tätigkeit der Inquisition drängte selbst die lauesten Marranen zur Auswanderung nach Holland, um dort wieder das Judentum anzunehmen. Durch die starke Zuwanderung nahm die Mitgliederzahl der Amsterdamer Gemeinden so sehr zu, dass sie im Laufe einer kurzen Zeit bereits vierhundert portugiesische Flüchtlinge zählte, die im Besitze von dreihundert Häusern waren2). Obwohl diese Einwanderer getreu ihren Pflichten gegen den Staat nachkamen, sah sich dennoch der Magistrat veranlasst, ihnen die Ausübung irgend welcher Bürgerrechte zu verbieten. Um die Rücknahme dieses Verbotes durchzusetzen und einige Rechte zu erlangen, war ein einheitliches Vorgehen aller Rechtlosen notwendig. Die Einigungsbestrebungen setzten daher wieder ein und führten dieses Mal zu einem erfreulichen Ergebnis. Ein engerer Zusammenschluss aller portugiesischen Juden war umso nötiger, da auch viele Juden aus Polen und Deutschland infolge des dreissigjährigen Krieges nach Amsterdam flüchteten, wo ihre Aufnahme von der Regierung begünstigt wurde. Die Verschiedenheit ihrer Bildung und Gebräuche verhinderte eine nähere Verbindung der beiden Glaubensgenossenschaften, denn die Portugiesen, die ihre Abstammung vom davidischen Königshause ableiteten und durch ihre Bildung den Juden anderer Länder überlegen waren, betrachteten ihre deutschen Brüder als Halbbarbaren. Die deutschen und polnischen Juden dagegen, deren höchster Stolz war, dass sie ihrem angestammten Glauben stets treu geblieben waren, sahen in den Portugiesen, wie sehr *) Puyboek 1621 —1624 fol. 95, Centraal Blad voor Israeliten in Nederland 1905 No. 23. 2) Menasse Ben Israels Adresse an Cromwell.

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