Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- V. 1907 - 5668 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 103)
- Language
- German
- Belongs to
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3t in ihrer Muttersprache abgefasst, denn das Holländische fand bei ihnen schwer Eingang und wurde nur von wenigen verstanden. Noch auffallender ist die Tatsache, dass einige Marranen, nachdem sie ihre Heimat verlassen hatten, von der spanischen und portugiesischen Regierung mit aussergewöhnlichen Ehren überhäuft wurden1). Infolge der vielfachen Handelsbeziehungen blieb die Erinnerung an das ehemalige Vaterland wach erhalten, dessen Wohlfahrt sie in der Fremde nach besten Kräften förderten. Nicht wollten sie für die erlittenen Qualen an ihren Peinigern Rache nehmen, alles sollte der Vergessenheit anheimfallen. Sehr charakteristisch für die vaterlandstreue Gesinnung der Vertriebenen ist ein Sonett des Dichters Miguel de Barrios. Als Samuel Beneviste mit einem holländischen Brander ein Schiff der spanischen Flotte in Brand setzte, rief ihm der Dichter zu: ,Kein Hebräer, der in Spanien geboren wurde, dürfte gegen sein Vaterland, wie sehr es ilm auch von sich stösst, eine solche Gewalttat verüben2).“ Wenn sie auch Ursachen genug hatten, ihr Vaterland zu hassen, so waren sie weit von einer derartigen Gesinnung entfernt; sie sahen vielmehr mit aufrichtiger Trauer auf die klerikale Miss- Wirtschaft, die ihr Heimatland einem sicheren Untergang entgegenführte. Allein die warmherzige Teilnahme brachte ihnen keinen Dank. Sie erregte hingegen das Misstrauen der Geistlichkeit, der Inquisitoren und derjenigen, denen die Auswanderung der reichen Ketzer erheblichen Schaden zugefügt, hatte und die ergrimmt auf die entschlüpfte Beute sahen. Eine Entschädigung für den schweren Verlust haben sie rasch gefunden, indem sie die Verwandten oder Bekannten der in Amsterdam wohnhaften Marranen zur Rechenschaft zogen. Waren sie als Neu-Christen ohnehin schon dringend verdächtig, so mussten sie als Verwandte von Juden erwiesene Ketzer sein und mit ihrem Vermögen die Sünden der ausgewanderten Glaubensgenossen sühnen. Um die Opfer leichter aufzuspüren, unterhielt man in Amsterdam zahlreiche Spione, welche mit der Aufgabe betraut waren, die Herkunft der Juden sowie ihre Verbindung mit der Heimat zu erspähen und das Ergebnis dieser Untersuchung dem Inquisitionstribunal mitzuteilen. Zunächst fanden die Schergen des Glaubensgerichts 2) Schudt p. 181, Koenen p. 185. 2) Nederlandsche Stemmen, V. Jahrg. p. 81, Anmerk. 3.