Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- V. 1907 - 5668 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 99)
- Language
- German
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_ 27_ sicherten Stellung gekommen waren, hatten sie so manche!lindernisse zu bewältigen. Namentlich erregte die Einwanderung der vielen Fremden aus Spanien Misstrauen bei den Behörden. Ihre Ansiedelung stiess auf Schwierigkeiten, da die Behörde sie für vermummte Spione hielt1). Wohl gestattete man ihnen nach langen Verhandlungen die Niederlassung, aber oft genug bedrohte man sie in ihrer freien Religionsübung. Dass die Errichtung der Synagoge Newe Schalom ohne Erlaubnis der Regierung geschah, rechnete diese den portugiesischen Juden übel an. Eine grössere Gefahr drohte ihnen jedoch von anderer Seite. Der heftige Streit zwischen Remonstranten und Contraremonstranten zog auch die Juden in Mitleidenschaft. In Amsterdam hatten die Contraremonstranten die Herrschaft in Händen, die ihre Gegner, in denen sie heimliche Anhänger Spaniens sahen, aufs nachdrücklichste bekämpften und in ihrem Machtbereiche nicht aufkommen Hessen. Die verfolgten Arminianer wiesen auf die fremden Juden hin, welche mit ihrem Glaubensbekenntnis ungehindert hervortreten dürfen, während das ihrige keine Anerkennung finde2). Wie sehr auch die Oranier und die Regierung bestrebt waren, durch keine Massregeln die Freiheit der Juden zu beschränken, so konnten sie trotzdem die Beschwerden der Remonstranten nicht unbeachtet lassen. Um die Unzufriedenen zu beschwichtigen, verbot der Magistrat den Juden die Zusammenkunft in der Synagoge zum Abhalten des Gottesdienstes oder die Errichtung eines Bethauses in irgend einem Teile der Stadt. Für den Fall der Nichtbeachtung dieses Beschlusses drohte man ihnen mit dem Niederreissen der Synagogen3). Mit einem Schlage war die Glaubensfreiheit vernichtet. Allein die Juden rafften sich auf. Mit allen Mitteln kämpften sie jetzt für die Zurückziehung dieser Verordnung und die Anerkennung ihres Bekenntnisses. Ihre Bemühungen blieben nicht erfolglos, denn die Regierung forderte die Verwaltung von Amsterdam auf, über die ״Judenfrage״ zu verhandeln und diese Angelegenheit in Ordnung zu bringen4). Obwohl der Gottesdienst seit 1612 den Juden offiziell verboten war, konnten sie \) Koenen p. 144. 2) Koenen p. 146. 8) Resolution Vroedschap Mai 1612. 4) Resolution v. Holland 17. März 1615.