Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- V. 1907 - 5668 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 97)
- Language
- German
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25 an, auch in ihren Gemeinden ähnliclie Lehrhäuser zu errichten. Die Lehrer wurden aus der Gemeindecasse besoldet, damit sie unabhängig vom Wohlwollen einzelner Persönlichkeiten ihre Schüler gleichmässig erziehen könnten. Jeder Unterschied zwischen reich und arm, vornehm und gering sollte vermieden werden. Vorzugliehe Lehrkräfte waren an der Anstalt tätig; mit vollem liechte durfte die Gemeinde auf diese Institution stolz sein und sie zu den festesten Stützen des Judentums rechnen; denn die Männer, die aus dieser Schule hervorgingen, hatten von den Umgangsformen und dem Lebenswandel ihrer halbkatholischen Vorfahren nichts mehr an sich. Viele unter ihnen förderten das Studium des Talmuds und der Kabbala, andere betätigten sich auf dem Gebiete der Philosophie und der Medizin. Neben der Schule gab es aber noch andere Vereinigungsmittel der portugiesischen Juden, nämlich die zahlreichen Vereine. Im Jahre 1609 gründeten 18 Mitglieder der Gemeinde ״üeth Jacob“ die nützliche Einrichtung ״Bikur Cholim“. Die Bestrebungen dieses ältesten Vereins gingen dahin, kranke Glaubensgenossen zu besuchen, ihnen nötigenfalls Arzneimittel zu verabreichen und bei einem Todesfall den Trauernden Beistand zu leisten. Der Vorstand der Vereinigung bestand aus vier Mitgliedern und einem Cassier. bis er im Jahre 1615 durch den Beitritt der Gemeinde Newe Schalom eine Erweiterung erfuhr. Infolge verschiedener Zwistigkeiten musste diese Verbindung aber wieder aufgelöst werden und von nun an gehörte diese Institution wieder der Gemeinde Beth Jacob allein. Die Leitung ging in die Hände berühmter Männer über, wie Baruch Ozorio, Dr. David Farrar und J. J. Belmonte. Nach der Vereinigung von 1639 kam dieser Verein der Gesamtgemeinde zu gute1). Von weit grösserer Bedeutung war die Stiftung ״Santa Companhia de dotar Orphas e Donzellas“ (Heilige Genossenschaft zur Verheiratung von Waisen und jungen Mädchen), welche auf Anregung Jacob Coronels aus Hamburg durch den ersten Chacham Joseph Pardo 1615 ins Leben gerufen wurde. Bei ihrer Gründung zählte sie nur zwanzig Mitglieder, aber infolge der Zuwanderung nahm die Anzahl in solchem Masse zu, dass sie 1683 bereits über l) Fr. Mendes, Handschrift, Nieuw Israel. Weekblad 1873 No. 26.