Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- V. 1907 - 5668 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 92)
- Language
- German
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20 Mendes befand1). Diese Auswanderung einzelner Leute hielt nur bis zum Tode Philipps II. an. Unter der Regierung seines Nachfolgers, der die Zügel nicht so straff anzog, nahm die Emigration einen grösseren Umfang an, zumal sich den heimlichen Juden eine günstige Gelegenheit dazu bot. Seit der Vereinigung von Spanien und Portugal kam der Hof oft in Geldverlegenheit, machte bei den marranischen Kapitalisten bedeutende Anleihen, fand jedoch infolge der wachsenden Armut des Volkes keine Möglichkeit, die Schulden zu tilgen. Da die Marranen ihr Kapital nicht zurückerhalten konnten, machten sie Philipp III. das Anerbieten, für die Aufhebung der Schuldforderungen und die Ueberreichung eines Geldgeschenkes die eingekerkerten Neu־Christen in Freiheit zu setzen. Die Zu- Stimmung der königlichen Räte erlangten sie für hohe Geldsummen. Philipp III. nahm den Vorschlag an; er trat mit dem Papste Clemens VIII. in Verbindung und erwirkte eine Bulle, in der den verhafteten Neu-Christen die Absolution erteilt wurde. Dieses Mal mussten die Glaubensrichter mit der erheuchelten Reue sich zufrieden geben2). Die meisten der Befreiten wanderten nach Amsterdam, unter ihnen befand sich auch Joseph Ben Israel, der seinen Sohn Menasse mit sich führte3). Aber nicht nur aus Spanien und Portugal strömten die heimlichen Juden nach dem neuen Jerusalem, auch aus den übrigen Gebieten, wo sie sich niedergelassen hatten, kamen sie jetzt heran. Viele hervorragende marranische Persönlichkeiten Hessen sich in Amsterdam nieder, das von nun an die wachsende Aufmerksamkeit der ganzen Judenschaft auf sich zog und zum ausschlaggebenden Factor bei den stürmischen Ereignissen wurde, an denen das 17. Jahrhundert so reich war. Die starke Zuwanderung vermehrte die Gemeinde so sehr, dass sie nach kurzem Bestehen bereits über 200 Mitglieder zählte, die Moses Uri in das Judentum aufnahm4). Die Gemeinde nahm infolge der zunehmenden Ein- Wanderung einen glänzenden Aufschwung. Da die erste Synagoge die grosse Anzahl der Glaubensgenossen nicht mehr fassen konnte, 0 Hieuw. Israel. Weekblad, 1868 No. 51. 2) Kayserling, Gesch. d- Juden in Portugal, S. 284. 3) Kayserling, Menasse Ben Israel, Berlin 1861, S. 61. 4) De Barrios, Casa de Jacob, p. 1. 2.