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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1907-01-01 · V. 1907 - 5668 (1907) · page 88

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
V. 1907 - 5668 (1907)
Date
1907-01-01
Page
– (sequence 88)
Language
German
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18 von Gleichgesinnten würden unzweifelhaft ihnen mit ihren Handelshäusern nachfolgen, falls man ihnen Religionsfreiheit gewähre. Da das holländische Volk infolge seiner Verarmung durch die andauernden Kämpfe mit Spanien zur Ausbreitung seines Handels grosser Capitalien bedurfte, erteilte die Behörde den portugiesischen Juden die Erlaubnis zum Bau einer Synagoge. Die Wirkung des freisinnigen Regierungsbeschlusses war eine überaus günstige; denn mit Blitzesschnelle verbreitete sich die Nachricht von der freundlichen Aufnahme der Marranen unter den heimlichen Juden in Spanien und Portugal, überall trafen sie Anstalten, das Land zu verlassen und nach einem Gebiete zu wandern, wo ihnen eine aussichtsreiche Zukunft bevorstand. Nach den Niederlanden nahmen sie ihren Glauben mit und, was ihrem neuen Vaterlande am wichtigsten war, — den Unternehmungsgeist. Mit ihren Stammesgenossen in Italien, in der Türkei, in Fez und Indien standen sie in regem Handelsverkehr, den sie von Amsterdam aus in grösserem Massstaue fortsetzten. Das weit verbreitete Handelsnetz verschaffte auch den Holländern zahlreiche Absatzgebiete, eröffnete insbesondere der Stadt Amsterdam durch Zölle reiche Einnahmequellen. Die Kaufhäuser der portugiesischen Juden dienten den Niederländern zum Muster, am ganzen Mittelmeergebiete legten sie ebenfalls derartige Warenhäuser an1). Dass die Marranen oder nunmehrigen portugiesischen Juden an dem Aufschwung der jungen Republik so tätigen Anteil nahmen, ist vor allem dem Umstande zuzuschreiben, das man ihnen auf dem Handelsgebiete freie Hand liess, während in den übrigen Ländern des Continents ihren Glaubensgenossen nicht nur die Aus- Übung der Künste und des Handwerkes untersagt war, sondern auch ihr vielfachen Einschränkungen unterworfener Handel sich nicht entwickeln konnte2). Durch die anhaltende Auswanderung der Neu-Christen ging der letzte Rest des ehemals so blühenden spanisch-portugiesischen Handels an Holland über. Diese Länder mussten es mitansehen, wie die holländischen Schiffe die Meere beherrschten und das niederländische Colonialwesen immer grössere Fortschritte machte. Nicht ohne Neid sahen selbst einige europä- 1) Luzae, Hollands Rykdom, Leiden 1780 I. 340, 359. 2) Gregoire, Histoire des sectes religieuses, Paris 1814, p. 391, Basnage p. 2091.

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