Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- V. 1907 - 5668 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 87)
- Language
- German
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15 Versöhnungstage bereitete ihnen die holländische Regierung keine Hindernisse mehr. Man nahm sie als Feinde Spaniens auf, auf deren Unterstützung man mit Sicherheit im Kriege gegen Spanien rechnen konnte. Diese erste Gruppe von Marranen brachte grosse Reichtümer mit und gehörte durchweg vornehmen Geschlechtern an, wie die Angehörigen der Familie Homem und Pereyra, die Nachkommen von Granden waren. Ihrem Stande gemäss war auch ihre Bildung. Während ihre Glaubensgenossen in anderen Ländern von wissenschaftlichen Studien sich fern hielten, hatten sie in ihrer Heimat ״christliche und heidnische Scribenten״ gelesen und ״auch sogar auf die Griechische und Lateinische Sprache, die Philosophie und Historien sich gelegt1 ״). Als würdige Repräsentanten ihrer bedrängten Brüder durften sie hier erscheinen. Allmählich bewiesen selbst die Behörden den Fremden ihr Wohlwollen. Da seit dem Ueberfall am Versöhnungstage ihr Glaubensbekenntnis kein Geheimnis mehr war und ihr Gottesdienst seit jener Zeit nicht gestört wurde, so fassten sie den Entschluss, um die Erlaubnis zur Errichtung einer Synagoge nachzusuchen und dadurch mit ihrem religiösen Bekenntnis vor die Oeflentlichkeit zu treten. Die Leitung dieser Angelegenheit übernahm Jacob Tirado, der bereits einmal mit der Regierung verhandelt hatte. Die Errichtung einer Synagoge war nötig geworden, da nach dem Siege der Engländer bei Cadix eine englische Flotte zahlreiche Marranen nach Holland brachte, so dass das alte Betlokal für die Zahl der Beter nicht mehr ausreichte2). Der Magistrat von Amsterdam zeigte ein grösseres Verständnis für den Wert einer marranischen Ansiedlung als die Verwaltungen der übrigen Städte. Sie beachtete wohl die Vorstellungen Jacob Tirados, der ihnen andeutete, welchen Gewinn die bedeutenden Handelsbeziehungen seiner Glaubensgenossen der Stadt bringen würden. Ganze Massen ״dans le lieu oü ils adoroient Dieu; mais comme on n’y trouva quie les ״livres Hebreux et la Loi de MoTse, on leur demanda pour toute condition ״de prier Dieu pour Ia prosperite de la ville, ce qu’ils promirent“. Franco Mendes, Handschrift und Gedicht, De Barrios p. 459, De Castro p. 4. נ) Schudt, Jüdische Merkwürdigkeiten S. 134, C. B. Huet, Het Land van Rembrandt, Haarlem 1898, p. 403. 2) De Barrios, Historia universal Judajca p. 20.