Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- V. 1907 - 5668 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 86)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3486266-3486275--1678-3488041- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
des marokkanischen Gesandten wurde denn auch der erste Gottesdienst abgehalten. Ohne Furcht vor Bestrafung durch das Glaubensgericht konnten sie zu ihrem Gotte beten. Ihre Dankbarkeit für die Rettung bezeugten sie dadurch, dass sie regelmässige Zusammenkünfte zur Verrichtung des Gottesdienstes veranstalteten. Diese Einrichtung bildete die Grundlage für das jüdische Gemeinwesen, an dem man jetzt mit vereinten Kräften zu arbeiten begann. Allein die Abhaltung des Gottesdienstes war mit manchen Schwierigkeiten verbunden, solange die Marranen nicht das Aufenthaltsrecht besassen. Um sich aber keinen Unannehmlichkeiten auszusetzen, hielten sie die Versammlungen streng geheim. Trotz aller Vorsicht wurden sie jedoch am Versöhnungstage des Jahres 1596 beim Gottesdienst überrascht. Den Nachbarn war nämlich das heimliche Hineinschleichen vieler Leute in ein und dasselbe Ilaus aufgefallen und sie benachrichtigten alsbald die Behörden. Diese waren der Meinung, dass es eine Verschwörung der Papisten sei, und sie trafen daher geeignete Massregeln, damit ein Entkommen der angeblicli Verschworenen verhindert werde. Als die Offiziere das Betlokal betraten, fanden sie die Gemeinde in Gebet versunken. Die Marranen glaubten aber beim Anblick der Bewaffneten, Inquisitoren vor sich zu haben; aus derUeberraschung entstand eine Panik, einige suchten die Flucht zu ergreifen, steigerten aber durch ihre Ueberstürzung und Ratlosigkeit den Verdacht der Offiziere. Die Bewaffneten durchsuchten das Lokal nach Cruzifixen, sie konnten indessen nichts Verdächtiges auffinden. Den Vorbeter Moses Uri und seinen Sohn nahmen sie zunächst in Haft. Als jedoch eine eingehende Untersuchung die Grundlosigkeit des Verdachts erwies und es sich herausstellte, dass die angeblichen Papisten heimliche Juden seien, die ihre Heimat aus Furcht vor dem Glaubensgericht verlassen hatten, da setzte man die Gefangenen auf Fürsprache Jacob Tirados, der sich mit der Behörde in lateinischer Sprache verständigen konnte, wieder in FreiheitJ). Seit dieser Ueberrumpelung am *) Basnage, Histoire des }uifs, Rotterdam 1707, Liv. VII. p. 2093: ״Leur premiere assemblee ä Amsterdam causa meme quelque jalousie dans ״la ville, oü tout etoit suspect pendans la guerre, qui se continuoit avec ״beaucoup de chaleur. On les prit pour des Cathol iques Romaines qui ״s’enfermoient et qui cachoient leurs images. Hs disent qu’on les poursuivit