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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1907-01-01 · V. 1907 - 5668 (1907) · page 85

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
V. 1907 - 5668 (1907)
Date
1907-01-01
Page
– (sequence 85)
Language
German
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13 Marranen wegen des Widerstandes der Geistlichkeit sich nicht in Middelburg aufhalten durften, griffen sie abermals zum Wanderstabe und setzten ihre Reise nach Haarlem fort. Aber ebensowenig wie in den anderen Städten war man hier zur Aufnahme der Fremden bereit. Nachdem so ihre Anstrengungen, in einer kleineren Ortschaft sich anzusiedeln, keinen Erfolg hatten, Hessen sie sich in Amsterdam nieder, und zwar, wie es der Zufall wollte, auf dem Platz, auf welchem 1560 und 1567 die ersten Reformatoren zusammen kamen1). In Amsterdam hielten sie sich vorerst in ihren Wohnungen verborgen, denn sie fanden es für zweckmassiger, die Behörden nicht von ihrer Einwanderung in Kenntnis zu setzen, da sie mit derartigen Aufnahmegesuchen böse Erfahrungen gemacht hatten. Ungestört konnten sie nun endlich von den langen Wanderungen ruhen2). Kurz nach ihrer Festsetzung gingen sie an die Lösung ihrer Aufgabe heran. Die Rückkehr zum Glauben ihrer Väter, für den sie so lange mit Ausdauer gekämpft hatten, sollte ihr erstes Werk sein. Zu diesem Zwecke wählten sie Moses Uri aus Emden zu ihrem Lehrer und betrauten ihn mit der Aufgabe, seine kleine Gemeinde nach den religiösen Satzungen zu erziehen und sie in den Lehren des Judentums zu unterrichten3). Moses Uri folgte dem Rufe nach Amsterdam, wo ihm ein grosses Arbeitsfeld offen stand Ihm zur Seite stand Samuel Palache, der rastlos die Be- Strebungen seiner Glaubensgenossen förderte. Seiner Unterstützung bedurften djo Marranen umso nötiger, da sie in Amsterdam keine Juden antrafen, die ihnen hätten alsFührer dienen können. Im Hause 1J Koenen p. 148. 2) lieber die Niederlassung der Marranen in Amsterdam vergleiche: Franco Mendes, Handschrift im Archiv der port.-israelit. Gemeinde zu Amsterdam und sein Gedicht zur Feier des hundertjährigen Bestehens der Synagoge in den ״Joodsch-Letterkundige Bydragen“ )ahrg. I. Nr. 1. Uri-Halevi, Memorias para os siglos futuros, Amsterdam 1711. (aarboeken voor Israeliten in Nederland 1835. Daniel Levi de Barrios, Triumpho del Govierno Populär en la Casa de Jacob, Amsterdam 1684 p. 2. De Castro, De Synagoge der portug. israel. Gemeente te Amsterdam 1875. Grätz, IX, Note 11. 3) Hillesum, Uri Ha-Levi, Amsterdam 1904, üoerdie Stellung des?loses Uri in der ersten Gemeinde.

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