Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- V. 1907 - 5668 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 84)
- Language
- German
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12 solches Ereignis in einem unbedeutenden Orte, wie es Emden damals war, grosses Aufsehen erregen und für die Juden im allgemeinen schwerwiegende Nachteile haben würde. Da aber die Marranen zum Dank für die Befreiung aus den Fangarmen der Inquisition die Rückkehr zu ihrem angestammten Glauben als ihre erste Pflicht erachteten, die Ausführung ihres Vorhabens in Emden jedoch auf Hindernisse stiess, so erteilte ihnen Moses Uri den Rat, nach Amsterdam zu gehen, wo sie den Ucbertritt zum Judentum leichter vollziehen könnten. Zunächst versuchten aber die Marranen, wie es scheint, in Maarsen — einem Dorf in der Nähe von Utrecht — das Aufenthaltsrecht zu erlangen. Sie boten der Regierung bedeutende Geldsummen an für das Privilegium einer Art Selbstverwaltung, denn sie wollten mit Hilfe der nachziehenden Glaubensgenossen aus dem Dorfe eine Handels־ stadt schaffen1). Allein die Regierung nahm diesem Plane gegenüber eine ablehnende Haltung ein; sie wollte den Fremden keine bevorzugte Stellung einräumen. Die Portugiesen setzten daher ihre Wanderung nach Middelburg fort. Bei ihren Bemühungen, sich in Middelburg festzusetzen, kam ihnen ein Amsterdamer Jude, der Marokkanische Gesandte Samuel Palache, der als Diplomat ein gewisses Ansehen besass, unerwartet zu Hilfe. Er bemühte sich, die Behörden von den Vorteilen zu überzeugen, welche der Stadt durch die Niederlassung so reicher Leute notwendig erwachsen müssten. Wenn auch Gründe genug für eine Aufnahme der Marranen vorhanden waren, so scheiterten dennoch die Verhandiungen an dem Starrsinn der reformierten Geistlichen, die nach laugen Kämpfen sich vom spanischen Despotismus befreit hatten und gegen alles, was aus Spanien kam, Misstrauen hegten. Zu dem glühenden Hass gegen Spanien gesellte sich bei ihnen die religiöse Unduldsamkeit. Obwohl sie selbst eine Zeitlang unter dem Drucke religiöser Engherzigkeit gelitten hatten, scheuten sie sich nicht, nachdem sie zur Macht gelangt waren, auch ihrerseits jede freie Regung der Andersgläubigen zu unterdrücken. Die örtlichen Behörden mussten sich der geistlichen Macht unterordnen und zum Schaden der Gemeinde den Gewinn aus der Hand geben, der ihr unzweifelhaft zugefallen wäre2). Da die l) Bachiene 11. p. 1130. *) Benthem, Holländischer Kirch- und SchubStaat.