Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- V. 1907 - 5668 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 83)
- Language
- German
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11 halten. Mächtig fühlten sie sich zu dem niederländischen Frei- Staat hingezogen. Diese Gesinnung der heimlichen Juden war jedoch der spanisch-portugiesischen Kegiernng nicht verborgen geblieben; mit Auswanderungsverboten sorgte sie dafür, dass ihr die Beute nicht entgehen sollte. Vorerst durften sie noch nicht an eine Auswanderung denken, denn noch immer konnte das mächtige Spanien die verlorenen Gebiete zurückgewinnen. Erst nach der Vernichtung der unüberwindlichen Armada durch die vereinigten Engländer und Niederländer und seit dem Erlöschen der spanischen Grossmachtstellung waren sie zu einer Wanderung nach Holland fest entschlossen. Trotzdem die Ketzer streng überwacht wurden und ein Verlassen des heimatlichen Bodens mit grossen Gefahren verbunden war, wagten sie es, ihrem Vaterlande den Bücken zu kehren. Im Jahre 1593 segelte das erste Schiff mit einer kleinen Gruppe von Scheinchristen unter Führung eines Jacob Tirado von Portugal ab. Nachdem es glücklich den Späheraugen der Aufsichtsbehörden entkommen war, fiel es den Engländern in die Hände, welche auf die spanische Flagge Jagd machten. Die englische Gefangenschaft hatte keine nachteiligen Wirkungen, denn in England erhielten sie ihre Freiheit wieder und die Erlaubnis zur Fortsetzung der Keise nach Holland 1)- Mit zwei Schiffen steuerten sie ihrer neuen Heimat zu, die sie nicht ohne Zwischenfall erreichten. Nicht weit vom Ziele entfernt drohte ihnen ein heftiger Sturm mit dem Untergang; allein das Meer beruhigte sich und ohne schweren Verlust konnten die so hart vom Schicksal Verfolgten in Emden landen. In Emden gab es zu jener Zeit ein blühendes Gemeinwesen deutscher Juden, die den portugiesischen Flüchtlingen bei ihrer Einwanderung hilfreiche Hand boten. Die Fremden wandten sich bei ihrer Ankunft in Emden zunächst an den Kantor Moses Uri, dem sie auch ihre Vergangenheit enthüllten, und der die Angelegenheit der Marranen in seine Hand nahm2). Während ihres kurzen Aufenthaltes in Emden erwarb sich Moses Uri das Vertrauen der Portugiesen, so dass sie durch ihn ins Judentum aufgenommen werden wollten, noch ehe sie einen festen Zufluchtsort gefunden hatten. Diesen Wunsch konnte er nicht berücksichtigen, da ein נ) Grätz IX, 492. 2) Emdener Memorbuch p. 157.