Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1907-01-01 · V. 1907 - 5668 (1907) · page 82

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
V. 1907 - 5668 (1907)
Date
1907-01-01
Page
– (sequence 82)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3486266-3486275--1674-3488037
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

10 war zugleich die ihrige« Die zunehmenden Erfolge Wilhelms von Oranien, dessen religiöse Weitherzigkeit ihren Interessen entsprach, begriissten sie mit grosser Begeisterung. Musste es sie doch mit Freude erfüllen, wenn ihrem spanischen Unterdrücker ein schmählicher Untergang bevorstand und sie in einem freien Lande einer verheissungsvollen Zukunft entgegengingen. Ihre Zuversicht steigerte sich noch, als auf der Conferenz der 7 nördliehen Provinzen (1578/79) die erste Verfassung des holländischen Freistaates zustande kam. Für die Angelegenheit der Marranen war namentlich der Artikel 13 der Bestimmungen der ״Utrechter Union“ von besonderer Wichtigkeit, denn dieser Artikel stellte den Grundsatz der Glaubensfreiheit auf. Kaum hatten die nördlichen Provinzen sich von Spanien losgerissen, so Hessen sich viele heimliche Juden im freien Holland nieder, wo sie wieder öffentlich das Judentum annahmen1). Diese Einwanderer hatten den Süden verlassen müssen, da nach dem Scheitern der Erhebung und der Wiederherstellung der spanischen Herrschaft ihre Lage sich verschlimmert hatte. Wohl konnten sie während der Unruhen unter dem Deckmantel des Christentums in ihren Wohnsitzen verbleiben2), als aber die Geistlichkeit merkte, dass sie es mit Neu-Christen zu tun hatte, missbrauchte sie ihren Einfluss, indem sie das unwissende Volk gegen die Fremden aufhetzte. Die Ausweisungsbefehle legte sie freilich bei Seite, holte sie jedoch, wenn ihr die Marranen unbequem wurden oder ihre Erpressungsversuche erfolglos blieben, wieder hervor3). Diese unsicheren Zustände veranlassten den grössten Teil der im Süden wohnhaften Marranen zur Auswanderung nach Holland. Aber nicht nur die Religionsfreiheit, sondern auch die Vernichtung der Handelsstadt Antwerpen durch die spanische Soldateska bewog die Unternehmungslustigen zur Ansiedlung in der aufstrebenden Republik. Die Errichtung der holländischen Republik kam insbesondere den so hart verfolgten Neu-Christen in Spanien und Portugal zu statten, die mit Spannung die Bewegungen im Norden beobachtet *) Um diese Zeit finden wir Aktenstücke, worin die Marranen als ״Juden“ bezeichnet werden; vgl. van Wyn, Huiszittend Leven V p. 653. 2) Vgl. van Wyn, a. a. 0. p. 111. 3) Depping, Die Juden im Mittelalter, S. 408.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.