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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1907-01-01 · V. 1907 - 5668 (1907) · page 80

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
V. 1907 - 5668 (1907)
Date
1907-01-01
Page
– (sequence 80)
Language
German
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8 wieder das Ziel der Auswanderung spanischer und portugiesischer Marranen, bis gegen Ende der Regierung Karls V. die Dinge für die Juden ein schlimmes Aussehen gewannen. Als im Jahre 1550 der König von Portugal eine strenge Untersuchung gegen die Neu-Christen einleitete, ging abermals ein kleiner Zug von Flüchtlingen nach dem Norden ab. Allein ihre Erwartungen erfüllten sich nicht; denn von Karl V. durften sie keine menschcnfreundliche Tat erwarten, am allerwenigsten diejenigen, die vor der spanischen Inquisition entflohen waren. Kaum war die Nachrieht von ihrer Ankunft zu Ohren des Kaisers gelangt, als er abermals eine Verordnung gegen die Ankömmlinge erliess, nach welcher sie innerhalb 80 Tagen das Land verlassen und auch in Zukunft nicht durch das Gebiet reisen sollten1). Insbesondere wurde die Bevölkerung vor den Neu-Christen gewarnt, denn ״in ihren Häusern und Wohnstätten halten sie den Sabbath und andere jüdische Ceremonien“, wodurch sie die ״heiligen Christen“ verspotten. In der Verordnung wird auf das Treiben der Marranen in Salonichi und in den übrigen Ländern hingewiesen, die man in Portugal für gute Christen gehalten hatte, die jetzt aber öffentlich zum Judentume zurückgekehrt seien. Um der Durchlührung des Decretes gewiss zu sein, bedrohte Karl V. die Behörden mit empfindlichen Strafen für den Fall der Nichtbeachtung seiner Befehle. Mit allen Mitteln sollte eine Niederlassung der Marranen in des Kaisers Erbländern verhindert werden. Unter grossen Gefahren hatten sie ihr ehemaliges Vaterland verlassen, glücklich hatten sie das Land erreicht, in welchem sie ein Asyl zu finden glaubten, da sahen sie sich in ihren Erwartungen getäuscht. Hatte bisher nur der Kaiser ihnen Schwierigkeiten bereitet, so gewann jetzt auch die Bevölkerung allmählich eine Abneigung gegen die Neu-Christen; denn sie fürchtete die Einführung der Inquisition, die nötig gewesen wäre, um die Marranen 1 von einer Rückkehr zum Judentume abzuhalten2). Trotz alldem gelang es vielen heimlichen Juden im Lande zu verbleiben und durch unermüdliche Tätigkeit zu einem gewissen i Wohlstände zu kommen. Ihr Loos wurde erst schlimmer unter der Regierung Philipps II., denn bei der allgemeinen Bedrückung 0 Groot Gelders Placaet״Boek 1. p. 59. *) Koenen, Geschiedenis der Joden, p. 130* j

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