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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1907-01-01 · V. 1907 - 5668 (1907) · page 77

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
V. 1907 - 5668 (1907)
Date
1907-01-01
Page
– (sequence 77)
Language
German
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5 schienen in der Tat in Erfüllung zu gehen, denn im Augenblicke der höchsten Verzweiflung erhielten sie die Nachricht von der Ankunft eines angeblich jüdischen Prinzen 1). Der glänzende Empfang des David Reubeni am portugiesischen Hofe ermutigte viele, wieder das Judentum anzunehmen. Und da die Geistlichkeit< nicht einzuschreiten wagte, wurde der Abfall vom Christentum immer häufiger. Nachdem aber der Pseudomessias seine Bolle ausgespielt hatte, raffte sich die Geistlichkeit zur Rache gegen die Ketzer auf. So trugen die Marranen durch ihr unbesonnenes Verhalten selbst dazu bei, dass die Einführung der Inquisition in Portugal beschleunigt wurde. Aus Furcht vor der Verurteilung durch das Glaubensgericht verliessen indessen zahlreiche Neu-Christcn ihr Vaterland, während diejenigen, die sich den Gefahren einer Auswanderung nicht aussetzen wollten, jedes Verdachtsmoment beseitigten, indem sie mit Rosenkranz und Paternoster durch die Strassen gingen und am fleissigsten die Kirche besuchten2). Da der Handel fast ausschliesslich in Händen der Juden oder Marranen lag, machten sich die schädlichen Wirkungen der Unterdrückung des jüdischen Elementes in Spanien und Portugal insbesondere auf dem Gebiete des Handels fühlbar. Manche Staaten merkten wohl, welche Handaisvorteile ihnen durch die Einwanderung der portugiesischen Flüchtlinge erwachsen könnten, ln Rom begünstigten deshalb selbst die Päpste die Niederlassung der ketzerischen Juden. Sixtus V. nahm sie in Schutz, forderte aber dafür grosse Geldleistungen3). Eine grössere Anzahl von portugiesischen Auswanderern fand in der Türkei eine gastliche Aufnahme, wo ihre spanischen Leidensgenossen schon längst ein Asyl gefunden hatten und sich in einem gewissen Wohlstände befanden. Zu weit grösserer Bedeutung als in Italien und den Balkanländern gelangten jedoch die Marranen in Holland, das seit der Mitte des 16. Jahrhunderts das Ziel der portugiesischen Flüchtlinge bildete. *) Kayserling, S. 175, Allgemeine Zeitung des Judentums 1866 Nr. 37* Joseph Ha-Cohen, Emek Ha-bacha, Wien 1853, p. 98. 2) Schudt, Jüdische Merkwürdigkeiten S 183. 3) Gregorio Leti, Het Leven v. Sixtus V., Amsterdam 1695 IJ. p. 670.

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