Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- V. 1907 - 5668 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 76)
- Language
- German
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4 ehe dieser Entschluss zur Ausführung gelangen konnte, starb Joao II. Sein Nachfolger Don Manuel war vorerst nicht für derartige Pläne zu haben. Er schenkte vielmehr den Juden neue Freiheiten und legte ihnen keine ausserordentlichen Steuern auf. In der Behandlung der Juden trat jedoch eine Aenderung ein. als Don Manuel 1496 um die Hand der Infantin Isabella von Spanien warb und das Versprechen geben musste, die Juden aus seinem Lande zu entfernen1). Der König konnte sich nicht leicht zur Vertreibung der Juden entschliessen, andererseits aber musste er seinen Verpflichtungen gegenüber Spanien nachkommen. Er schritt deshalb zur Durchführung der Zwangstaufe2). Unzählige wurden infolge dieser Massregel dem Christentum zugeführt; ihre Kinder wurden ihnen entrissen, um christlich erzogen zu werden und diejenigen, die trotz der empörendsten Misshandlungen am Judentume festhielten, mussten als Sklaven ein kümmerliches Dasein fristen. Damit war die Reihe der Ausschreitungen eröffnet., die sich immerfort wiederholten und im Judengemetzel von Lissabon 1506 ihren Höhepunkt erreichten3). Don Manuel bestrafte zwar die Rädelsführer des Aufruhrs und suchte durch Verleihung neuer Privilegien das Schicksal der Neu-Christen zu erleichtern, erregte aber durch diese Massnahmen so sehr den Unwillen der Bevölkerung, dass er sich genötigt sah, seine Haltung gegenüber den Marranen zu ändern4). Nach seinem Tode setzte Don Joao IIT. die judenfeindliche Politik fort. Unter diesem schwachsinnigen Fürsten konnte die Geistlichkeit ungestört das Volk gegen die angeblichen Ketzer aufwiegeln und den Boden für die Errichtung des Glaubensgerichtes vorbereiten. Noch unheimlicher gestaltete sich die Lage der Marranen, als Joao III. eine Schwester Karls V. heiratete; denn mit der Königin hielt zugleich eine Menge von Dominikanern ihren Einzug in Portugal. Angesichts der drohenden Gefahr erwarteten die Neu-Christen durch unmittelbare göttliche Hilfe Befreiung vom portugiesischen Joch. Ihre Erwartungen *) Kayserling, Geschichte der Juden in Portugal, Berlin 1867, S. 126. 2) Zacuto p. 227. 8) Eine Schilderung dieser Vorgänge bei Salomo Ibn Verga, Schewet Jehuda, ed. Wiener, Hannover 1858, p. 93. 4) Kayserling, Geschichte der Juden in Portugal S. 15b.