Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- V. 1907 - 5668 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 75)
- Language
- German
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3 sich wieder dem Judentume angeschlossen hatten. Unzählige wanderten in den Kerker oder zum Scheiterhaufen. Anfangs gelang es zwar einigen Marranen nach Rom zu entkommen, wo sie für Geld Absolution erhielten. Da aber die freundliche Aufnähme der Ketzer in Rom den Geschäftsgang der Inquisition in Spanien bedrohte, wurde den Marranen die Auswanderung verboten. Infolge dieses Verbotes mussten alle Ketzer dem Verderben anheimfallen. Diejenigen Juden hingegen, die dem Judentume stets treu geblieben waren, hatten einstweilen nicht stark unter dem Drucke der Inquisitoren zu leiden. Als jedoch 1492 Granada in die Hände der Spanier fiel und dadurch die Herrschaft der Araber ein Ende nahm, gingen die spanischen Machthaber auch an die Unterdrückung des jüdischen Elementes heran. Ein Edikt vom 31. März 1492 forderte die Juden auf, innerhalb dreier Monate das Christentum anzunehmen oder den heimatlichen Boden zu verlassen. Die Bemühungen Don Isak Abrabanels, der den König von den schädlichen Folgen des Ausweisungsbefehles zu überzeugen versuchte, scheiterten an dem Widerstand der Inquisitoren. Fast wäre es ihm gelungen, Ferdinand zur Zurücknahme der Verordnung zu bestimmen, da erlangten im letzten Augenblick die Beichtväter mit Isabellas Hilfe das Uebergewicht1). Unter den obwaltenden Umständen blieb den Juden kein anderer Ausweg, als ihre Heimat zu verlassen. Der grösste Teil begab sich nach Portugal. Dort hatte es bis zur Einwanderung der spanischen Juden noch keine Verfolgung gegeben. Während die Marranen in Spanien den Scheiterhaufen bestiegen, befanden sich die portugiesischen Juden im Besitze ansehnlicher Rechte2). Mit dem Regierungsantritt Joao’s II. verschlimmerte sich ihre Lage. Obwohl dieser Fürst die Aufnahme der spanischen Flüchtlinge begünstigte, unterstützte er andererseits die judenfeindlichen Be- Strebungen der Geistlichkeit, die seit der Einwanderung der Vertriebenen ihr Augenmerk auf eine Bekehrung der Juden richtete. Mit Privilegien wollte Joao die Führer für das Christentum gewinnen. Da aber diese Bemühungen erfolglos blieben, stimmte der König einer gewaltsamen Bekehrung zu3). Noch 1j Abrabanel, Vorrede zu Josua. 2) Schäfer, Geschichte Portugals III, S. 22. 3) Joseph Ibn Jechaja תורה אור, Bologna 1528, Vorrede, Carmoly,!ד״ד לבג* *ה״א, Frankfurt 1850, p. 15.