Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IV. 1906 - 5667 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- – (sequence 413)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3486266-3486273--1539-3487901- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
290 die Geisteserzeugnisse gegenseitig auszutauschen, so dass man die Hochschulen Palästinas und Babyloniens fast als eine einzige Akademie bezeichnen kann. Nach dem Tode des R. Josef bar Chama folgte ihm Abaji in seiner Würde als Scbuloberhaupt Pumbedithas. Damals fanden in Palästina unter der Regierung des Kaisers Konstantin I. Judenverfolgungen statt, weiche die Gelehrten des Landes zur Auswanderung nötigten. Fast samtliehe Gelehrten Palästinas wanderten nach Babylonien aus und vereinigten sich dort mit ihren babylonischen Kollegen in der ersten Redaktion des Talmuds. Man sammelte die Lehrsätze der babylonischen Gelehrten und die Debatten der Schulen und nahm die Traditionen und Lehrsätze der palästinensischen Gelehrten mit auf. Als Rab Aschi später Oberhaupt der Akademie in Sura wurde, stellte er sich an die Spitze einer grösseren Gelehrtengruppe, um den babylonischen Talmud abzuschliessen. So kam es, dass in dem babylonischen Talmud fast sämtliche Beschlüsse des jerusalemischen Talmuds, der infolge der Ungunst der Zeiten keine rechte Redaktion gefunden hatte, gleichfalls aufgenommen wurden. Rabina, ein Freund des Rab Aschi, war der jüngste Gelehrte in diesem Kollegium. Daher spricht man von einer Redaktion des Talmuds durch Rabina und Rab Aschi. Mit dem Tode Rabinas beginnt die Periode der Saboräer, welche den Talmud noch einmal durchsahen und mit gelegentlichen Zusätzen bedachten. Diese schrieben in der nunmehr festgestellten Form den Talmud nieder. Die Zeit der Saboräer beansprucht nach Halevy 115 Jahre Halevys Werk ist ein Meisterwerk nicht inbezug auf die geschichtliche Darstellung, sondern inbezug auf die Gründlichkeit und Evidenz seiner Forschungen. Er schreibt nicht zum Unterhalten, sondern er liefert uns die Arbeit eines scharfen Denkers. Sein Werk kann nicht gelesen, es muss studiert werden. Seine Forschungen haben durch die Eigenart der Methode, die gründliehe Beherrschung des Stoffes und die nüchterne Art des Denkens und Schliessens viel neue Ergebnisse ans Licht gefördert. Nicht etwa blos historische Finessen, sondern neue, grundlegende Auffassungen hat er uns geliefert. Das ganze Geschichtsbild bekommt auf Grund seiner Ergebnisse ein neues Gesicht. Sein Hauptverdienst ist vor allem die neue Gruppierung und Ab-