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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1906-01-01 · IV. 1906 - 5667 (1906) · page 412

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
IV. 1906 - 5667 (1906)
Date
1906-01-01
Page
– (sequence 412)
Language
German
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IRI
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_289_ und der Ankunft des ersten Amoräers Rab in Babylonien ein Zeitraum von einem Vierteljahrhundert liegt. Es dauerte noch einige Jahre, da wurde in Babylonien eine neue Hochschule in der Stadt Sura gegründet. Rab war der erste Rektor dieser Akademie (ריש מתיבתא). Sura lag in einem Gebiet, in dem seit zweihundert Jahren fast gar keine Juden wohnten. Dort hatten die Empörer Asinäus und Aniläus in ihrem Aufstände gegen di eParth er ihr schmähliches Ende gefunden. Seit diesem letzten Aufstande hatten die Juden diese Gegend verlassen. Seit der Neubegründung der jüdischen Akademie in Sura blühte dort wieder ein reges Geistesleben unter den Juden. In der Zwischenzeit zwischen dem Tode Rabbis und der Neubegründung der Akademie in Sura wirkte Rab Schila als Schulleiter (ריש סדרא) in der babylonischen Stadt Nehardea. Halevy weiss von diesem Zeitabschnitt uns Mehrfaches zu berichten, er gibt uns die Namen einer Reihe von Gelehrten an, welche in dieser Zeit in Babylonien lehrten und wirkten. Nach diesen Feststellungen Halevys fliesst der Strom des geschichtlichen Werdens in kontinuierlichem Nacheinander. Alles Sprunghafte und Plötzliche, das die bisherigen Geschichtsdar- Stellungen aufweisen, verschwindet bei ihm. Er findet überall die Lückenbüsser, die Zwischenglieder, welche wir nur in die Lücken einzusetzen brauchen, um eine natürliche, fortlaufende Linie des geschichtlichen Zusammenhangs zu erhalten. Halevys Geschichtsauffassung ist eine durchaus natürliche. Die Mischnah ist nicht das Produkt einer Periode, sondern die Geistesarbeit eines halben Jahrtausends. Die jüdische Gelehrsamkeit in Babylonien ist kein blosses Stückwerk, sondern die fortlaufende Geistesgeschichte eines ganzen Jahrtausends. Die Tannaiten hören nicht eines schönen Tages auf, um den Amoräern Platz zu machen, sondern zwischen beiden liegt eine Uebergangszeit. welche die getrennten Perioden ineinander überführt. Dieselbe natürliche Entstehungsweise findet Halevy auch bei der Entstehung des Talmuds. Seit der Zeit, wo Rabbi Jochanan und seine älteren und jüngeren Zeitgenossen in Palästina wirkten, während Rab und Samuel und ihre Jünger in Babylonien tätig waren, standen die Gelehrten beider Länder in ununter־ brochenem geistigem Verkehr miteinander. Man hörte nicht auf, 19

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