Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IV. 1906 - 5667 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- – (sequence 411)
- Language
- German
- Belongs to
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m Die Geschichte der Tradition erscheint uns durch diese neuen Fernblicke in ganz anderem Lichte als bisher. Der geschichtliche Horizont erweitert sich unter dem kritischen Auge dieses neuen Forschers nach zwei Richtungen. Wir finden jetzt den Faden der Tradition sich doppelt spinnen, um sich gegenseitig zu stützen und zu kräftigen. Das Geistesleben unserer Ahnen erscheint uns bedeutungsvoller, es wächst an Breite der Ausdehnung und an Höhe des Alters. Das höhere Alter garantiert uns eine grössere Reinheit der breitere Umfang eine tiefere Durchdringung der altgeheiligten Ueherlieferungen und Gesetze. Aber nicht blos weiter und freier lässt uns Halevy schauen, er schärft unsere Augen und gibt uns einen deutlichen Blick für die Aufeinanderfolge der Geschlechter und ihre genaue Abgrenzung. Hier haben wir bisher oft sehr trübe hinweggesehen. Wo zwei Perioden in einander 7u zerfliessen schienen, da. hat Halevy uns eine sorgfältige Markierung der Grenzgebiete aufgezeigt und damit manchmal neue Zeitabschnitte entdeckt, die wir in ungenauer und undeutlicher Anschauung als nebeneinanderliegend betrachteten, wobei wir das Dazwischenliegende fast völlig übersahen. Zwischen dem Tode des Rabbi Jehuda Hanassi und der Erhebung des R. Jochanan zum Schuloberhaupt von Tiberias liegt nach Halevy ein Zeitraum von etwa 50 Jahren, von dem die bisherige jüdische Geschichte nichts gesehen hat In Palästina standen an der Spitze der Sohn des grossen Rabbi, R. Gamliel und sein Sohn R. Jehuda Nessia I. Halevy gibt, uns ein ganzes Bild von der Geistesarbeit dieser ״neuentdeckten״ Periode. Er gibt eine Fülle von Namen von Gelehrten an, die in dieser Periode lehrten. In dieser Epoche fand die letzte Synhedrialsynode statt, welche eine Reihe von wichtigen Ver- Ordnungen eingerichtet hat, die sich im einzelnen noch nachweisen lassen. Ueberaus scharfsinnig zeigt uns dann Halevy, dass am Ende der Mischnah eine Reihe von kurzgefassten und durch den sonderbaren Stil ausgezeichneten Baraitot erhalten sind, welche die letzte Redaktion der Mischnah aus dieser Epoche darstellen. Aber noch einen anderen Zeitabschnitt entdeckt uns Halevy. Er weist nach, dass zwischen dem Tode des R. Jehuda Hanassi