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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1906-01-01 · IV. 1906 - 5667 (1906) · page 410

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
IV. 1906 - 5667 (1906)
Date
1906-01-01
Page
– (sequence 410)
Language
German
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287 Reflexion und Kritik mühte sich die zeitgenössische und nachfolgende jüdische Gelehrtenwelt, die vergessenen Einzelheiten wieder aufzufinden. So kam es, dass die Tannaiten Meinungsdifferenzen hatten. Die allgemeinen Gesetze waren unbestritten; nur gewisse Einzelheiten, die Entscheidungen in Spezialfällen waren häufig vergessen worden Die Arbeiten dieser Gelehrten wurden schliesslich von Rabbi Jehuda Hanassi zusammengestellt und mit der alten Urmischnah zu einem einheitlichen Werke, der Mischnah, verbunden. Mit dieser neuartigen Auffassung, wie sie Halevy uns vorlegt, erhalten wir einen ganz anderen Begriff von dem Wesen und dem Werte der Tradition. Die Tradition ist kein Machwerk der Rabbinen, wie christliche und auch manche jüdische Gelehrte uns einreden wollen, sondern sie ist uralt. Der Abschluss der biblischen Kanons und die erste Redaktion der Mischnah sind gleichzeilig. Wir können die Geschichte der Tradition noch weiter zurück verfolgen. Mit der ersten Exilierung der Juden nach Babylonien am Ausgang der Königszeit kam auch die jüdische Gelehrsamkeit nach Babylonien, Seit dem Exil unter dem König Jechonja bis auf die Zeit der Geonim ist die Thora in Babylonien nicht verstummt. Von Zeit zu Zeit erhielt die jüdische Gelehrtenwelt Palästinas Zufluss aus Babylonien. Zuerst kam der Schriftgelehrte Esra mit seinen Jüngern von Babel nach Jerusalem. Später kam Hillel von Babylonien nach Palästina, um dort die Thora zu verbreiten, und gründete daselbst eine Schule. Nach dem Untergang Bethars zogen verschiedene Gelehrte hinauf; Nathan der Babylonier und später R. Chija mit seinem Anhang werden als solche erwähnt. Aber auch noch später erhalten die palästinensischen Gelehrten Zuzug von Babylonien. Bis zur Regierungszeit Konstantins des Grossen, welcher die Beschäftigung mit der jüdischen Lehre in Palästina aufhob, kamen jüdische Gelehrte aus Babylonien und befruchteten die Geistesarbeit der palästinensischen Schulen. Aber diese Auswanderungen einzelner Gelehrten aus Babylonien bewirkten damit nicht ein Aufhören der Pflege der jüdischen Gelehrsamkeit in Babylonien. Halevy nennt uns die Namen der Schulhäupter Babyloniens, welche die Zeitgenossen eines R. Simon ben Gamliel, eines R. Meir und seiner Genossen waren. Hier entdeckt uns Halevy ein ganzes Geschlecht babylonischer Tannaiten.; ־/£ U

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