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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1906-01-01 · IV. 1906 - 5667 (1906) · page 409

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
IV. 1906 - 5667 (1906)
Date
1906-01-01
Page
– (sequence 409)
Language
German
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286 deutlich, dass der Kern der Mischnah bereits in der Zeit der Männer der grossen Synagoge festgestanden hat und damals abgeschlossen ist. Der späteste Termin für die Feststellung und Anordnung der Urmischnah ist nach Halevy die Zeit des letzten Gelehrten der grossen Synagoge, die Zeit Simons des Gerechten, also fünf Jahrhunderte vor der endgültigen Redaktion der Mischnah durch den Patriarchen R. Jehuda Hanassi. Die ursprüngliche Mischnah kennt keine Autoren, keine Meinungen — nur feststehende Gesetze. Die Mischnah Rabbis wimmelt von Autoren und Meinungsdifferenzen. Woher dieser Unterschied? Die politischen Verhältnisse haben dies verursacht. Die Juden lebten unter der Herrschaft der Perser ruhig. Da blühte die jüdische Gelehrsamkeit. Die Ueberlieferung wurde ununterbrochen von Lehrer auf Schüler vermittelt. Tn Streitfällen wurde sofort durch das hohe Synhedrium entschieden. Da gab es keine Differenzen inhezug auf die Gesetzgebung. Nach den Persern kamen die Hellenen, mit den Hellenen die Hellenisten, Juden, welche der griechischen Kultur und Bildung sich in die Arme warfen. Diese Griechenfreunde — zuerst Tobianer, dann Hellenisten, später Sadduzäer genannt — erhoben sich gegen die Patrioten und ihre Gelehrten, die Sopherim. Während der Kriege zwischen den Ptolemäern und Seleuziden nannte sich diese griechenfreundliche Partei Tobianer, seit Seleukus IV. bis zum Sieg des Hasmoäers Simon hiess sie Hellenisten, seit Hyrkan T. und Alexander Jannai führte sie den Namen Sadduzäer. Tn diesen Zeiten politischer Wirren und innerer Gegensätze wurden bedeutende Gesetzeslehrer hingemordet. Die übrigen Gelehrten wurden versprengt. Jede geordnete Pflege der Gesetzesentscheidüng und des Gesetzesstudiums hatte anfgehört. Seit Jose ben Joeser geriet der kontinuierlich fliessende Strom der Ueberlieferung ins Stocken. Man vergass Einzelheiten, verwechselte Entscheidungen und so entstanden die Differenzen der Späteren. Als Hillel zum Patriarchen ernannt wurde, begann die kontinuierliehe Kette der Tannaiten. Ihre wichtigste Aufgabe war es jetzt, die Reinheit der Tradition wiederherzustellen. Hillel und seine Schule, Schammai und seine Schule arbeiteten an diesem grossen Werke der Restauration der Tradition. Durch Vergleichen der Ueberlieferungen der einzelnen Gelehrten, durch

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