Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IV. 1906 - 5667 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- – (sequence 364)
- Language
- German
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241 Bestreben eigen, nicht sowohl die gelehrten Studien zu fördern, als vielmehr die Bibel einem grösseren Kreise verständlich zu machen, den Zusammenhang der einzelnen Verse zu zeigen und eine natürliche einfache Auslegung zu schaffen. Man kann diese Schriften wahre Volksbücher nennen, die an das Bestreben Easchis, das Studium des Pentateuch volkstümlich zu machen, anknüpften und in diesem Geiste sowie in Verfolg von des grossen Meisters späteren Intentionen noch mehr den Pschat pflegten. Aus dieser Absicht heraus ist auch vielleicht die ständige Gewohnheit dieser Commentatoren zu erklären, den einzelnen Worten oder Wendungen die französische Bedeutung anzufügen. Bei diesem Charakter der geschilderten nordfranzösischen Commentare ist es ebenso bedauerlich wie seltsam, dass vom Ausgang des 13. Jahrhunderts an die jüdische Literatur fast gar nicht Notiz von diesen Leistungen nimmt, und dass sie teils von den nicht die genannten Vorzüge aufweisenden Commentaren Easchis, besonders aber von dem nicht immer die natürliche Auslegung, vielmehr auch den Drasch und die philosophische Deutungsweise berücksichtigenden und recht wenig originellen, sondern meistens compilatoriscben David Kimchi verdrängt wurde, ebenso wie dessen sprachwissenschaftlichen Werke wiederum die der älteren spanischen Autoren, auch wenn sie ins Hebräische übersetzt waren, in den Hintergrund gestellt haben. Aber auch für diese Literatur ist am Anfänge des vorigen Jahrhunderts durch die Veröffentlichungen von Zunz, Dukes, Geiger, Berliner und andere die Zeit der Wiedererweckung gekommen1). Ob für diese lange Zeit des Vergessens an die Klassiker der nordfranzösischen Literatur, auch Samuel ben Meir nicht ausgenommen2), vielleicht der Grund anzunehmen ist, dass manche ihrer Erklärungen den Jahrhunderte hindurch als strenge Tradition geltenden Ansichten widersprachen — was besonders B’chor Hirsch, Cambridge 1905, der sehr oft Elieser aus Beaugency, sowie auch andere Autoren benutzt hat. M Die Literatur über die nordfranzösischen Exgeten verzeichnet bis 1S92 fast lückenlos Bacher in Winter und Wunsches Anthologie Bd. 11. p. 336, wozu noch die seither erschienenen 1:nd in diesem Aufsatz erwähnten Abhandlungen kommen. 2) Vgl. hierüber Rosins erwähnte Schrift über ihn p. 24 25. 16