Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IV. 1906 - 5667 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- – (sequence 335)
- Language
- German
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312 Für die babylonischen Juden erwuchs die Notwendigkeit, ihren verfolgten Brüdern hilfreich beizustehen; in erster Linie den Wohlhabenden und das waren die Juden Machosas Bei allen Fehlern, die diesen Grossstädtern im Talmud nachgesagt werden, — die Männer sollen leichtlebig, mitunter auch dem Trünke ergeben, die Frauen arbeitsscheu und putzsüchtig gewesen sein * 1)ל — in welcher Grossstadt sind sie es nicht? — so muss doch gesagt werden, dass sie für ihre leidenden Brüder Herz und Sinn hatten. Dies gilt namentlich von den Frauen. Sie gaben, wie aus späterer Zeit berichtet wird, bei Sammlungen selbst ihren Schmuck her, Ketten und Armbänder und — was nicht wenig sagen will — diese wurden als kleine Geschenke angesehen, welche die Frauen auch ohne Wissen der Männer geben konnten 2 3). Ohne Zweifel haben die Machosaner auch diesmal das ihrige zur Linderung der Not beigetragen. Raba hatte sie aufgefordert, sich zur Wohltätigkeit anzuspornen. Wo es nicht im guten ging, brauchte Raba, wenn es sein musste, auch Gewalt, und legte z. B. einem Geizhals eine besondere Armensteuer von 400 Sus anfs). So wandte er bald Strenge bald Milde an, um das gewünschte Ziel zu erreichen, je nachdem das eine oder das andere am Platze war. Der hervorstehende Zug im Charakter Rabas, war jedoch Milde und Sanftmut. ״Ich bitte Euch“ war eine ständige Redensart in seinem Munde, ob er zum Volke oder zu seinen Schülern sprach4). Er war ein Volksmann im besten Sinne des Wortes. Wo er konnte und wo es das Gesetz gestattete5), Geschehnisse in Lydda andeuten, die dem Feinde durch die Gefangennahme der Boten verraten wurden. Es wäre sonst ganz unbegreiflich, was die Palästinenser dem Raba mit der Mitteilung, dass die Boten תכלת, das Fabrikat aus Lus, in Händen hätten, sagen wollten. In solchen Zeiten ist man sparsam mit Worten. Die Boten scheinen Berichte zwischen den zwei ersterwähnten Städten vermittelt zu haben und dass sie den Römern in die Hände gefallen, war ein Ereignis, gefährlich genug, um Raba mitgeteilt zu werden. 1) Sabbath 22b, Rosch haschana 17b, Taanith 26a, Sabbath 109a, Berliner, Beitr. z. Geogr. u. s. w. S. 41. 2) Baba kamma 119a. 3) Kethuboth 46b. 4) Joma 72b, Aboda sara 18b, Baba batlira 9a. 5) Dass er den Proselyten Machosas gestattete, Priestertöchter zu heiraten, geschah nicht, um — wie Grätz bemerkt — ״die Volksgunst noch