Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IV. 1906 - 5667 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- – (sequence 332)
- Language
- German
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209 lieh nicht in dem Masse, wie dies vor Jahrhunderten mit der heiligen Schrift geschah. Raba machte sich diese Lehrweise zu eigen und entwickelte dieselbe. Es wurde beispielsweise bemerkt, dass der Redaktor der Mischna oder einer Baraitha eine Lehre, die er in zwei Sätzen ausdrückt, in einen hätten znsammenziehen und die Wiederholung eines Wortes ersparen können, woraus dann Schlüsse gezogen wurden1). Die eingeschlagene Richtung kam in der späteren tausendjährigen Literatur zum siegreichen Durchbruche. Ein grosser Teil des halachischen Schriftums verdankt derselben ihren Ursprung. Im übrigen unterschied sich Rabas Lehrweise wenig von derjenigen seiner Vorgänger. Er zeigte eine besondere Vorliebe für die Ausgleichung von Differenzen zwischen den Lehrern der Mischna und denen der Baraitha, worin er es zu einer besonderen Fertigkeit brachte. ״R Oschaja“, der Sammler und Redaktor externer Tradition, ״wird mich nach meinem Tode mit seinem Besuche auszeichnen“, pflegte er zu sagen2), wenn es ihm gelang, einen schrofferen Widerspruch zwischen der Mischna und der Baraitha zu beheben. Man glaube darum nicht, dass Raba eine Harmonisierung der Traditionen um jeden Preis anstrebte. Er nahm auch, wo es notwendig war, Textverbesserungen vor3) und erklärte Baraithas,rdie er mit einem unlösbaren Widerspruche behaftet fand, als unrichtig4), wie er denn auch sonst über die Traditionen der Tannaim und der älteren Amoraim unbefangen zu urteilen pflegte. Er widerlegte, wo es sich um blosse Begründungen oder Folgerungen aus Schriftversen handelte, die Folgerungen der hervorragendsten Tannaim, so z. B. an einer Stelle die Deduktionen, welche die Heiligkeit der Esterrolle beweisen vrollten, wo er nur die des Samuel gelten liess 5). Ueber den Tanna R. Simon 1) Vgl. Sanhedrin 3a אלא אמר רבא Yh זעזד שלשה שלשה, Bechoroth 41b אמר רבא א״כ מעשר תרי זימגי למה לי u. a. St. 2) Vgl. Baba mez. 62b, Babakamma 111b und Tosaphoth das. כך היד. רגיל לתרץ משני' כמותו. 3) S. Kidduschin 47b, Gittin 10b. 4) Gittin 73a כיון דקשי׳ רישא לסיפא לא אתמר. 5) Megilla 7a. Gegen R. Elieser, R. Akiba, R. Meir und R. )ose, ebenso Chagiga 10a und Joma 85b. An all diesen Stellen gibt er Samuel den Vorzug. 14