Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IV. 1906 - 5667 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- – (sequence 331)
- Language
- German
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208 binationsgabe der späteren Generationen, aus dem betreffenden Traktate die richtige Ueberlieferung herauszufinden. Auch Controversen, deren ausschliesslicher Zweck es war, den Geist der Hörer zu schärfen, wurden noch von der Aufnahme in diesen ersten Talmud ausgeschlossen1). Mit der Fixierung des Talmuds war die Hälfte der Arbeit getan, welche von Rabas grossem Schüler R. Aschi fortgesetzt und zu Ende geführt wurde. Als unmittelbare Folge der Redaktion des Talmuds kann der höhere Grad von Heiligkeit bezeichnet werden, der demselben von Raba zugesprochen wurde. Im Gegensätze zu den grossen Amoräern der früheren Zeit, die den Segensspruch über das Tora- Studium nur vor dem Studium der Mischna als geboten erklärten, weil dieser ein höherer Grad von Heiligkeit zukomme, lehrte Raba, dass der Talmud diesbezüglich der Mischna gleichstehe2). Durch die Fixierung des Textes haben die redigierten Talmudstücke eine mit der Mischna gleichwertige Schätzung gefunden; sie wurden gewissermassen dem geistigen Fönde des jüdischen Volkes für alle Zeiten einverleibt, was in späterer Zeit auch von den Codifikatoren der Halacha berücksichtigt wurde. Wie Raba als Redaktor einerseits einen Teil der geistigen Entwickelung zum Abschluss gebracht hat, so hat er andererseits in mancher Beziehung der jüngeren Gelehrtengeneration neue Bahnen gewiesen, den kommenden Geschlechtern Wege gezeigt, auf welchen sie ihren Geist und ihren Scharfsinn betätigen konnten. Die älteren Amoräer kommentierten die Mischna, gaben Wort- und Sacherklärungen, behandelten aber nicht den Text der Mischna wie etwa R. Akiba den Text der heiligen Schrift, der bekanntlich in jedem überflüssigen Worte, in jeder Silbe einen besonderen Sinn, irgend eine Lehre angedeutet fand. Rabas Lebrer und Schwiegervater, R. ühisda begann auch den Text der Mischna zum Gegenstände der Erörterungen zu machen3), natiir- 1) Vgl. z. B Makkoth 21a, wo die Frage ולילקי גמי von Abaji und Raba erörtert, die Antwort תנא!שייר verworfen wird, und die sechs Fragen (das 22a), die unbeantwortet bleiben, sowie ähnliche Stellen. 2) Berachoth 11b. 3) S. Sabbath 60 b המש שרי ד׳ מיבעי א׳ ר הסדא, daselbst 126b: המש מפגין ד׳ מיבעי א׳ ר השדא; ganz so in Baba kamma 118b und Nidda 87b. Nur in Kethuboth 96a ohne Namensangabe. Aeltere Amoraim wie Samuel erklärten noch ד, וה׳ בדאמרי איגשי, Sabbath 126 b.