Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IV. 1906 - 5667 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- – (sequence 329)
- Language
- German
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206 ganze Jahr hindurch von Nahrungssorgen gequält würden1). Die Zahl der Gelehrten, die schon unter Rabba eine grosse gewesen, wurde in der Schule Rabas noch durch den Zuzug der palästinensischen Gesetzeslehrer vermehrt, und die Befürchtung, dass diese durch die Verbreitung der oben erwähnten Lehre sich ver- 1-ingern könnte, scheint in Wirklichkeit nicht begründet gewesen zu sein. Die Vereinigung der hervorragenden Gesetzeslehrer Palästinas und Babyloniens einerseits, wie die allseitig anerkannte Autorität Rabas andererseits, hat eine wichtige Periode in der Redaktion des Talmuds zum Abschluss gebracht. Raba nimmt in der Kette jener im Talmud als hervorragende Grössen bezeichneten Tannaim und Amoraim, die sich um die Redaktion besonders verdient gemacht, die vierte Stelle ein, den Ehrenplatz zwischen R. Juda und R. Aschi2). Was der erstere für die Ordnung Nesikin, hat Raba im Vereine mit seinen Zeitgenossen — zu diesen gehört auch die ältere Generation Rabas — für die anderen Ordnungen getan. Er hat den Talmudteilen, soweit sie zu dieser Zeit abgeschlossen waren, die erste feste Form gegeben, in weleher sie der Nachwelt überliefert werden sollten. Hat auch mit dieser Arbeit — wie bereits an anderer Stelle ausgeführt3) — eigentlich schon die zweite Amoräergeneration begonnen, ihren Abschluss fand sie erst unter Raba. Und auch die älteren, bereits redigierten Talmudstücke konnten ihre Allgemeingültigkeit erst durch die Aufnahme in den offiziellen Talmud erlangen, was nur durch eine Autorität allerersten Ranges, als welche Raba von der Mit- und Nachwelt anerkannt wurde, bewerstelligt werden konnte. Raba wird darum mit Recht als der zweite Redaktor bezeichnet4). Wie hoch er als solcher im Ansehen gestanden und welch ehrfurchtsvollen Respekt seine Zeitgenossen vor der Gewissenhaftigkeit hatten, mit welcher Raba auch die äussere Form der Traditionen behandelte, zeigt uns der 1) Berachoth 37b. 2) Kidduschin 72b. Siehe Funk, Juden in Babylonien, S. 142 und die Ausführungen Halevys, Doroth Harischonim II S. 490, insbesondere das lehrreiche Kapitel 68, S. 551—562. 3) Siehe Juden in Babylonien, S. 93 und Halevy daselbst. 4) In der oben erwähnten Stelle in Kidduschin.