Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IV. 1906 - 5667 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- – (sequence 327)
- Language
- German
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R a b a. Von Dr. S. Funk in Boskowitz. In der politisch wildbewegten Zeit während des persischrömischen Krieges stand an der Spitze der jüdischen Kolonie in Babylonien ein Mann, der für die Verhältnisse seiner Zeit einen eben so offenen wie richtigen Blick besessen, Raba ben Josef ben Chama. Obgleich Sohn eines Gelehrten und seit der frühesten Jugend unter Gelehrten lebend, hatte er den Zusammenhang mit der Aussenwelt nicht verloren, wie man es denn überhaupt als einen nicht zu unterschätzenden Vorzug der Gesetzeslehrer jener Zeit bezeichnen kann, dass sie trotz der bewundernswerten Geistestätigkeit, die sie entfalteten, sich einen merkwürdig regen Sinn für das Leben bewahrten und an den politischen Ereignissen ihrer Zeit den lebhaftesten Anteil nahmen. Es kam dies zunächst daher, dass die Gelehrten gleich den anderen Volksgenossen ihren bürgerlichen Beruf hatten. Sie lebten nicht von der Thora, obgleich sie ganz und gar für diese lebten. Die meisten Traditionslehrer waren Landleute1). Auch Raba, das Schulhaupt, war Grundbesitzer, und die Vertrautheit mit der Landwirtschaft wie mit der materiellen Lage seiner Berufsgenossen kommt in manchen seiner Sprüche und in manchen seiner Lehren unverkennbar zum Ausdrucke. Raba trat als offizielles Schuhaupt sein Lehramt im Jahre 388 an, also in dem Jahre, da der langjährige Krieg entbrannte, dessen Ende er nicht mehr erleben sollte. Seine Wirksamkeit fiel in eine Zeit, die für das geistige Leben ungünstig war. Es 1) Siehe Rabas Aussprüche über landwirtschaftliche Regeln, Taanith 3b.