Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IV. 1906 - 5667 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- – (sequence 319)
- Language
- German
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196 dass im Augenblick des Moleds gar nicht der wahre Neumond statt hat, sondern nur der durch Rechnung gefundene, sogenannte mittlere, und dass ebenso die obige Umlaufszeit nur die Dauer zwischen zwei mittleren Neumonden, nicht den wahren, bezeichnet; infolgedessen kann 14d 18h 22 m nicht gleich dem Intervall zwischen Neu- und Vollmond sein. Hierzu kommt noch, dass der von uns zu gründe gelegte Moled nur für Jerusalem gilt, demnach die Zeitdifferenz zwischen diesem und dem betreffenden Ort, welche im Maximum 12h betragen kann, berücksichtigt werden muss. Der wahre Neumond kann von dem mittleren bis 15 Stunden1) abweichen, und die Zeit zwischen den beiden Lunationen kann in den Grenzen 14d 12h bis 15d 2h liegen. Zieht man all diese Umstände in betracht, so wird der letzte Termin für קדוש לבנה um 12h-f-15h+8h=35h gegenüber der Berechnung des רמ״א zur angeführten Stelle verschoben sein können; in gewissen Fällen, wenn z. B. der letzte Abend mit שבת oder ירט zusammentrifft, wird dies von besonderer Bedeutung sein. Im תלמוד בבלי סנהדרין דף מ״ב ע״א und ירושלמי ברכות פ״ט wird die behandelte Frage nicht berührt; dort ist die Schlussgrenze nur nach Tagen angegeben. Dagegen schreibt בית יוסף im מצאתי בתשובה אשכנזית ונו׳ ולעד״נ אם היה ליקוי לבנה שאנו רואים ניגוד :סימן תכ״ו אמיתי (ב)אמצעית הלקות (denn dann nehmen wir die wahre Opposition zur Zeit der Mitte der Finsternis wahr) בודאי שאין לברך דרכי משה .אח״כ וכוי fügt hinzu, dass die von ב״י angeführte Begründung des שרבותינו כוונו לפגוע באמיתית ע״י הדחיות) רמב״ם) wohl die Ignorierung der Sonnenfinsternisse erkläre, weil diese lokale Erscheinungen seien. Da aber Mondfinsternisse bekanntlich gleichzeitig für sämtliche Erdbewohner eintreten, so mögen dieselben wohl massgebend sein, wenn zwischen wahrer und mittlerer Opposition eine Zeitdifferenz vorhanden ist. Was nun bei Mondfinsternissen durch die Beobachtung gegeben ist, kann mit Leichtigkeit für jeden Vollmond durch Rechnung gefunden werden, und ich sehe keinen Grund ein, warum für קדוש לבנה nicht immer die wahre Opposition zu Grunde gelegt wird. Ich will noch be- *) Vgl. ה, קדוש ד.חדש פ״ז דזלכד! ז' ה׳ und über die genaue Berechnung der Mondphasen z. B. Paul Lehmann, Tafeln zur Berechnung der Mondphasen, Berlin 1882.