Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IV. 1906 - 5667 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- – (sequence 283)
- Language
- German
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130 rabbinische הודאה, welches von demselben Stamme ist. Wie nun letzteres auch ״Zugeständnis“ heisst, so kann in haggadischer Weise diese Begriffserweiterung auch auf תודה übertragen werden. זובח תודה würde demnach heissen, das Opfer eines Zugeständnisses, gleichsam ein sacriflcio del intelletto, bringen. Da nun das Schweigen in einem solchen Falle, wie wir oben ausgeführt haben, als Zugeständnis angesehen wird, so kann dieser Vers als Anspielung darauf angewendet werden. Obgleich der Talmud hier nur die zweite Hälfte des Verses anführt, so ist es doch nichts Seltenes, dass in solchem Falle auch die erste Hälfte zum Verständnis des Ausspruches herangezogen werden muss. Hier liegt noch der besondere Grund vor. dass derselbe Halbvers vorher einige Male zitiert wurde. So erkläre ich mir auch die Mischna Aboth III, 3, wo aus Echa 3, 28 ישב בדד ובד geschlossen wird, dass auch der einzelne für seine Beschäftigung mit der Thora Lohn empfängt. In diesem Verse lässt sich nur sehr gezwungen das Thoralernen nachweisen. Nehmen wir aber den vorhergehenden Vers zu Hilfe, wo es heisst טוב לגבר כי ישא עול, so erklärt sich dieser Ausspruch ganz einfach, weil dies auf עול תורה bezogen wurde. Aus dem Talmud selbst können wir eine Stelle anführen, die uns beweist, dass ein solches Verschweigen der gegenteiligen Anschauung geradezu als מודה על השקר angesehen wird und sicherlich hat in der Erörterung der Tossaphoth dieser Hinweis nicht gefehlt. Dieselbe Stelle beweist aber auch, dass dieses Stillschweigen und Unterdrücken der eigenen Ueberzeugung nur bis zu einer gewissen Grenze gehen darf. Schebuoth 31a heisst es: Wenn der Schüler in einem zur Verhandlung stehenden Rechtsstreit anderer Meinung als der Lehrer ist, so darf er seine Ueberzeugung nicht unterdrücken, denn es heisst מדבר שקר תרחק. Daraus ergibt sich, dass ein solches Schweigen als eine Unterstützung des שקר angesehen wird und dass der Schüler nur bei theoretischen Erörterungen, nicht aber bei praktischen Entscheiden, die zu einen) irrigen Urteil führen könnten, mit seiner Meinung zurückhalten darf. In diesem Sinne werden sich wohl die Tossaphoth ausgesprochen haben 1). *) Ich hatte diese Erklärung zu den פ״ת längst gegeben, als ich nachträglich fand, dass Chatham Sofer VI, 66 eine Anfrage darüber enthält und