Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IV. 1906 - 5667 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- – (sequence 279)
- Language
- German
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156 wird, ebenso unterscheide unsere Mischna zwischen פטם, dem man die Krippe ausfegen muss, damit es esse, und רעי, das keiner solchen Sorgfalt bedarf, bei dem es vielmehr genügt, wenn man die unreinen Ueberreste zur Seite schafft. Nathansohn spricht sich gegen diese, nach seiner Meinung unhaltbare Erklärung mit einer Schärfe aus, die ganz unverständlich wäre, wenn wir nicht mutmassen dürften, dass sie ihm wahrscheinlich aus dem Kreise der polnischen ״Aufklärer“, der sogenannten משכילים, zugetragen wurde, denn sie wird in Luzzattos Briefwechsel, מכתבי שדל, von einem Angehörigen dieses Kreises erwähnt. Nathanson würde sich jedoch vielleicht eher mit dieser Erklärung befreundet haben, wenn er gewusst hätte, dass sie bereits in den in neuester Zeit gedruckten חידושי הר״ן im Namen des ד יהונתן mitgeteilt wird. Noch mehr, sie findet sich schon in dem ältesten Kommentar des Talmuds, der uns in der neuen Wilnaer Ausgabe des ש״ס zugänglich gemacht wurde. R. Chananel setzt näinlieh in seinem Kommentar zu unserer Stelle שאר בהמות anstatt רעי, woraus seine Auffassung dieses Wortes im Sinne obiger Erklärung klar ersichtlich ist. Wir können aber für diese Auffassung einen noch älteren Zeugen namhaft machen, den Talmud Jeruschalmi. Derselbe bemerkt zu unserer Mischna: מפני מה שהפטם מותיר הרעי אוכל. Nach dem Kommentar קרבן עדה soll das Ganze ein Satz und eine Begründung für die Worte der הכמים sein, die das Reinigen der Krippe verbieten, ״weil das Mastvieh auch den Rest des Unrates auffrisstu. Es tut einem wehe, den verdienstvollen und gelehrten Kommentator hier auf einem solchen Irrwege zu sehen. Sprachlich — man bemerke nur, dass מותיר mit Jod geschrieben steht — und sachlich ist diese Erklärung unmöglich. Jeruschalmi will hier offenbar die Worte desR. Dossa und seine Unterscheidung zwischen Mast- und Weidevieh begrün־ den und gibt daher auf die Frage: ״ מפני מהWeshalb״? die Antwort: ״ שהפטם מותירDas Mastvieh ist heikel und lässt übrig, wenn die Krippe nicht ganz rein ist, הרעי אוכל das Weidevieh ist dagegen nicht so wählerisch und frisst, wenn auch die Krippe nicht ganz rein ausgefegt ist“. Nathansohn macht gegen diese vermeintlich neue Auffassung der Mischna, die, wie wir gezeigt haben, uralt ist, auch noch