Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IV. 1906 - 5667 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- – (sequence 274)
- Language
- German
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151 fürs Volk, sondern um eine talmudische Frage, die zwischen den Amoraim verhandelt wurde. Es wird niemand behaupten wollen, dass man im Lehrhause nach der Uebersetzung der Worte אש של עצמות gefragt haben sollte, die doch jedes Kind, das einige hebräische Vokabeln innehat, übersetzen kann. Um aber zu beweisen, dass das gewöhnliche Volk das Hebräische nicht mehr verstanden hat, dazu bedarf es nicht erst dieser Stelle. Die ganze Institution des Meturgeman diente ja nur dazu, um dem Volke die heilige Schrift, die in der Ursprache vorgelesen wurde, zu übersetzen und die Vorträge der ראשי ישיבות, die meistenteils hebräisch waren, zu verdeutlichen. Vgl. z. B. die Stelle in Pesachim 42a, wo mitgeteilt wird, dass die Leute den Ausdruck מים שלנו missverstanden hatten, bis er ihnen durch מיא דביתו übersetzt wurde. Das Volk hat das Wort לנו als Pronomen aufgefasst, weil es die Bedeutung des hebräischen לנו im Sinne von ״übernachten“ nicht kannte. Ferner Joma 20b, wo Rab als Meturgeman des R. Schila die Worte קרא הגבר mit קרא נברא übersetzt und wo Raschi bemerkt: החכם לוחש לו לשון עברית והוא מתרגם לשון שהם שומעין und daselbst weiter: לחש לו ר׳ שילא קרא הגבר לשון עברי והוא מתרגם לרבים קרא גברא. Es wäre überflüssig, weitere Beweise dafür anzuführen, soweit es sich um das Volk handelt; es wäre jedoch ganz ungeheuerlich, den Schülern des Lehrhauses eine solche Unkenntnis des Hebräischen aufzubürden. Mit der obigen Stelle in Berachoth, wo die Worte אש של עצמות ins Aramäische übersetzt werden, hat es eine andere Bewandt nis. Dass das Hebräische während der Zeit des zweiten Tempels nach und nach aufgehört hat, Volkssprache zu sein und dem Aramäischen Platz gemacht hat, darf als bekannt vorausgesetz werden. Klagt ja schon Nehemia (Neh. 13,24): ״Ihre Kinder sprechen zur Hälfte Aschdodisch und verstehen das Hebräische nicht mehr“. Der Talmud bemerkt ferner, dass Esra bereits bei der Vorlesung der Thora die aramäische Uebersetzung eingeführt habe. Die Gebildeten sprachen jedoch auch noch in späterer Zeit Hebräisch und besonders in der Familie des Nassi scheint es sich noch lange als Umgangssprache erhalten zu haben, wie der Ausspruch Rabbis, B. Kamma 82b, bezeugt. ״Was soll in Palästina das Syrische“, sagte er. ״Sprechet entweder Hebräisch oder Griechisch!“ Bekannt ist ferner, dass seine Magd den