Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IV. 1906 - 5667 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- – (sequence 263)
- Language
- German
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140 In dem Teil der Regierungszeit des Herodes dagegen, wo seine Herrschaft genügend gefestigt schien, um weitblickenden ehrgeizigen Bestrebungen nachzugehen, erlebte Rom seine schönste Friedenszeit und die klaren Augen der damaligen Staatslenker konnten, durch nichts gehindert, darüber wachen, dass unscheinbare Keime des Verderbens sich nicht zu Gefahren für die Gesamtheit auswachsen sollten. Das Rätsel der Sphinx ist durch Ilalevy gelöst. Wie wir ihm unzählige Antworten auf schwierige Fragen verdanken, so lässt uns sein Hinweis auf die letzten Ziele der Politik des Herodes erst dessen scheinbar zwiespältigen Charakter verstehen. Mit ganz anderen Angen wird man jetzt die sehr detaillierte Lebensbeschreibung des Herodes bei Josephus lesen. Keinem wird es mehr in den Sinn kommen, diesen Eroberer Judäas aus fremdem Stamm, dem die unterworfenen Juden als Sklaven galten, die er mit Gut und Blut seinem Ehrgeiz zum Opfer brachte, als Schutzherrn der Juden und Mehrer ihres Reiches anzusehen. Man wird auch finden, dass naturgeinäss die knechtische und Willkürliehe Behandlung der Juden in ihrem eigenen Lande von schlechtestem Einfluss auf die Griechen anderer Länder sein musste. Wenn in Judäa selbst die griechischen Ratgeber des Königs der Juden nach ihrem Gefallen mit diesen umspringen durften, warum sollte dies den Griechen im Auslande einer Minorität jüdischer Einwohner gegenüber verwehrt sein. Die Berichte des Josephus zeigen, dass bisHerodes die zahlreichen Judengemeinden der Diaspora als ihren Nachbarn gleichberechtigt galten. Von Herodes und seinen Massnahmen an ist erst die Zurücksetzung der Juden in der weiten damaligen Welt des Hellenismus zu datieren. Die gründlichen Untersucliungen Halevys nach dieser Seite hin verlangen jedoch eine besondere eingehende Behandlung. Nachdem ihr Rätsel gelöst ist, muss die Sphinx in den Abgrund stürzen. Ir. jüdischen und nichtjüdischen Ges chichtswerken wird man Herodes nach Gebühr beurteilen lernen. Die Erkenntnis wird sich Bahn brechen, dass dieser Feindseiner eigenen Familie in noch höherem Grade als ein erbarmungsloser Feind des Volkes an- Zusehen ist, dem er seine Fremdherrschaft aufgezwungen hatte und dessen König er sich nennen liess.