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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1906-01-01 · IV. 1906 - 5667 (1906) · page 262

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
IV. 1906 - 5667 (1906)
Date
1906-01-01
Page
– (sequence 262)
Language
German
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139 Freund betrachtet, wird er gross gemacht, umbuhlt dann die Griechen, um dann, den Römerhass der Hellenisten benutzend, im Orient und Oecident Kriegsflammen gegen die Römer zu entfachen und Jahrzehnte lang der gefürchtete Feind der Römer zu werden. Die Nachricht vom Tode dieses Mithridates machte dem Pompejus die Hände frei, in die jüdischen Wirren einzugreifen, um dann dem ränkevollen Anstifter dieser Wirren, dem Vater des Herodes, Antipater, eine fast fürstliche Stellung zu ermöglichen. Als Herodes seinen blutigen Thron im Jahre 37 bestieg, war ein halbes Jahrhundei t verflossen, seitdem der Hass gegen Rom und Kleinasien sich mit solcher Macht gezeigt hatte, dass auf Veranlassung des Mithridates 80000 Italiker an einem Tage in Kleinasien hingemordet wurden. War dieser Hass erloschen? Hatten die Erpressungen der römischen hohen Verwah tungsbeamten aufgehört V Herodes hatte eine erbitterte Feindin an Kleopatra, der schönen Griechin aus Aegypten. Es liegt nahe, dass sie in Herodes den Mann erkannte, der ähnliche Pläne wie sie selbst hegte, nämlich, den Hass der Griechen gegen Rom benutzend, Rom den Orient zu entreissen und selbst seine Herrscherin zu werden. Die eigentümlichen Mittel der Kleopatra, die Umstriekung des Antonius hatten sie hart bis zum Ziele geführt. Was Mithridates und Kleopatra, jedem in seiner Weise, beinahe gelungen war, warum sollte es dem Herodes unmöglich sein, besonders da die Grundlage für die weit ausschauenden Unternehmungen beider, die lebhafte Abneigung der Griechen gegen Rom, noch dieselbe war. Mit einem wichtigen Faktor aber hatte Herodes nicht gerechnet, das ist die staatsmännische Weisheit des Augustus und seines Schwiegersohnes Agrippa. Augustus liess still beobachtend ihn einige seiner Vorbereitungen trefien, fiel ihm aber in die Arme, noch bevor er zum ersten Schlage richtig ausgeholt hatte. Ein weiteres Moment, das dazu beitrug, dass die Pläne des Herodes sich nicht auswachsen konnten, lag in der Ruhe und dem Frieden, die nach der Schlacht bei Aktium im römischen Reiche eingekehrt waren. Mithridates und Kleopatra konnten ihren Zielen nahekommen, weil Rom das eine Mal durch die Kämpfe zwischen Marius und Sulla, das andere Mal durch die Uneinigkeit zwischen Antonius und Augustus geschwächt war und die Blicke der Wächter des Staates sich mehr nach innen als nach aussen richten mussten.

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